Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog

Trachanás – meine Wohlfühlwintersuppe

22 Kommentare

Trachanas - glykos, xinos,

Τραχανάς

Es gibt einen Geruch, der mich sofort an das Haus einer meiner Tanten erinnert. Und das ist der Geruch nach Trachaná.  Trachaná sieht wie grober Bulgur aus  und wird in tagelanger Prozedur aus Milch und Weizenschrot hergestellt. Und zwar im Sommer, damit die Sonne den Trachaná trocknet und damit konserviert. Im Winter kocht man daraus gerne eine wärmende Getreide-Suppe.

Die Herstellung von Trachaná kenne ich nur aus lückenhaften Beschreibungen meiner Tanten: Die Milch wird aufgekocht, Weizenschrot wird hinzugefügt. Beim Mengenverhältnis möchten sich meine Tanten nicht festlegen: 1:1, 1:2, oder das typische „oso pari“. Das bedeutet in etwa: „so viel (der Teig) aufnimmt“. Die Masse wird dick eingekocht, so dass ein glatter Teig entsteht, der klein portioniert und zum Trocknen ausgebreitet wird. Sobald die kleinen Teigportionen gut durchgetrocknet sind, das kann 2 Tage dauern, werden die Teigkugeln durch ein Sieb gerieben. Das Ergebnis sind kleine Körnchen, die wie Bulgur aussehen – und diese werden erneut zum Trocknen auf großen Tüchern ausgebreitet. Er ist sehr lange haltbar.

Über Trachaná lässt sich streiten: In der Region, aus der ich stamme wird hauptsächlich ein „süßer Trachaná“ hergestellt, also mit Milch. Aber auch „saurer Trachaná“, für den Sauermilch verwendet wird. Statt Weizenschrot wird auch gerne Weizengrieß, bzw. eine Mischung aus Schrot und Grieß verwendet. In anderen Gegenden wird einfach Mehl verwendet. Es gibt auch einen veganen Trachaná, den ich allerdings noch nie probieren konnte. Für diesen Gemüse-Trachaná wird statt Milch eine Sauce aus gekochtem, püriertem Gemüse (Karotte, Paprika, Zwiebel) verwendet. Die Milch wird andernorts auch gerne durch Joghurt ersetzt.

Im Bild oben seht ihr von vorne nach hinten Trachaná aus: Vollkorn-Weizen, Grieß, und der ganz helle ist einer mit Sauermilch.

Trachaná schmeckt also überall anders und manche Sorten und Zubereitungen sind mir geschmacklich ziemlich fremd. Den Satz „Ich mag euren Trachaná nicht so gerne“ habe oft gehört… und auch schon mal gesagt… Ich mag unseren süßen Trachaná besonders gerne, der nach dem Kochen körnig bleibt.  Wobei süß eher mild bedeutet. Für meine Suppe habe ich heute die Vollkorn-Variante genommen.

Trachana Suppe mit Feta und Brot

Trachaná-Suppe, wie ich sie gerne esse

  • 50 g süßen Trachaná
    (gibt es in griechischen (Online-)Shops
  • 400 ml Wasser
  • Salz und Pfeffer
  • Dazu je nach Geschmack: Toast, Schafskäse

Den Trachaná  im gesalzenen Wasser zum Kochen bringen und ca 30 Minuten bei schwacher Hitze köcheln lassen, bis eine dickflüssige Suppe entsteht und der Weizenschrot weich ist. Wobei die Konsistenz Geschmackssache ist. Wer es flüssiger mag, nimmt mehr Wasser. Je nach Sorte verkürzt oder verlängert sich die Garzeit. Immer wieder umrühren.

Das Brot toasten oder Brotwürfel mit etwas Olivenöl in der Pfanne anbraten. Die Suppe mit Pfeffer abschmecken und mit Brotstückchen und Schafskäse-Würfel servieren. Oder pur genießen.

Trachana Suppe purDas ist die einfache Basis-Suppe und kann nach Lust, Laune und Geschmack verändert werden: Hier eine Liste von  Zubereitungsarten, die ich schon gesehen habe:

  • Zwiebeln oder Gemüse anschwitzen
  • Milch im Kochwasser
  • Joghurt statt Schafskäse
  • Tomatenmark im Kochwasser
  • Beilage zu Gemüse und Fleisch
  • Mit Butter verfeinert
  • Olivenöl in der fertigen Suppe
  • Gewürztes Öl über die Suppe gießen: Dafür wird Öl zusammen mit edelsüßem Paprika und/oder Cayenne-Pfeffer erhitzt.
  • … und Trachaná nimmt in der Pita überschüssige Flüssigkeit auf – statt Reis oder Paniermehl

Autor: Zitronen und Olivenöl

Greek Foodblogger based in Germany

22 Kommentare zu “Trachanás – meine Wohlfühlwintersuppe

  1. Das ist eine sehr interessante Art der Konservierung. Trotz der „Lückenhaftigkeit“ schön beschrieben. 🙂

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  2. Sicherlich geschmacklich sehr interessant, muss ich mir merken, habe ich natürlich noch nie gegessen.
    lg Marlies

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  3. Also ich komme aus dem letzten Zipfel Griechenlands also dem Teil zwischen Bulgarien und der Türkei (beide Staaten sind ca. 36 km von meinem Dorf entfernt) und ich liebe ton trachana. Es ist aber bei uns gang und gebe dass er eher die säuerliche herbe Variante ist. Es gibt nichts leckeres -am Morgen – als einen Teller voller warmer Trachanasuppe mit viel frischen Feta und Vollkornbrot. Der gekaufte ist nie so gut wie der von der Familie….leider!!!

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  4. Dies ist ganz der faszinierenden Artikel. Vielen Dank für den Austausch. Ich wusste nie etwas von Trachaná.

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  5. Sehr interessant.
    Wo kann man das fertig kaufen?

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  6. Wieder einmal etwas neues entdeckt! Liest sich unglaublich spannend, dein Trachanás-Artikel. Geschmacklich kann ich das momentan so gar nicht einordnen oder mir vorstellen, wie das schmeckt. Ich fürchte ich muss mich mal auf die Suche nach griechischen Spezialitätenläden hierzulande machen 😉

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  7. Ich liebe diese“Kurzurlaube“, wenn ich durch Spezialitätenläden anderer Länder stöbere und dabei Lebensmittel einpacke, die ich noch nicht kenne.So landete heute Trachana sauer in meinem Korb, ohne einen Plan, was das ist. Nun bin ich dank Deines Blogs schlauer und werde am Wochenende eine Suppe probieren. Danke für das Rezept 🙂

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  8. Hey wo bekommt man Trahanas her? Ich suche überall?

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  9. Pingback: Mitgebracht aus Griechenland | Zitronen und Olivenöl

  10. Pingback: Proustscher Trachanas – mjamjams

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