Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


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Mitgebracht aus Griechenland

Plastis, Werga für Pita

Er hat mich wieder – mein deutscher Alltag. Mental bin ich allerdings noch nicht so ganz hier angekommen. Ich hatte ja versprochen, meine Mitbringsel aus Griechenland zu zeigen. Endlich komme ich jetzt dazu.  Es ist wieder viel Tee dabei. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was der Holzstab da oben ist?

Plastis oder Werga für Pita

Der schmale Holzstab da oben ist zum Ausrollen für dünne Filoteige gedacht. Er wird Werga oder Plastis genannt. Mein Opa hat ihn für meine Oma geschnitzt und sie hat jahrzehntelang Filoteig damit ausgerollt, bevor ihn meine Mutter bekommen hat. Er ist viel dünner und kürzer als die handelsüblichen, die man heute in Griechenland bekommt. Als ich meiner Oma erzählte, dass ich ihren Plasti nun mitnehme, meinte sie in ihrer trockenen Art nur: „Nimm ihn ruhig mit, ich brauche ihn ja nicht mehr“. Meine Oma hat mit Mitte 80 das Pita machen aufgegeben, das ist jetzt fast 20 Jahre her.

Trachanas

Trachanas mit Weizen

Aus Trachanas wird Suppe gekocht. Bei uns wird Trachanas aus zerkleinerten Weizenkörnern und Milch gemacht, manchmal gemischt mit Weizengrieß. Den Trachans links hat meine Patentante gemacht und der rechte ist von einer Tante. Die Körnung hängt vom verwendeten Sieb ab. Mehr zu Trachanas und ein Rezept findet ihr hier.

Süßes – Wassermelonenschale und Feige

Wassermelonenschale gliko koutaliou und Feigenmarmelade

Meine Tante hat mir auch noch süß eingekochte Wassermelonenschale mitgegeben. Gliko koutaliou heißen diese traditionellen Sirup-Süßspeisen, die aus Obst oder auch Gemüse gemacht werden. Für dieses „Gliko“ wird das Weiße der Wassermelonenschalen zunächst in Kalkwasser eingelegt, damit sie später fest bleiben und nicht matschig einkochen. Gründlich gewaschen werden sie dann mit Zucker so lange eingekocht, bis sich die Flüssigkeit zu einem dickflüssigen Sirup verwandelt. Schmeckt wunderbar zu griechischem Joghurt. Bei meiner Tante gab es dazu selbstgemachtes Eis aus eigener Milch. Sie macht fast alles selbst, probieren musste ich auch selbstgemachten Fetakäse (sehr lecker), Aprikosenlikör und selbst eingelegte Oliven. Sie hat vor ein paar Jahren Olivenbäume gepflanzt. Auf der Terrasse trockneten ein paar Feigen. Im Spätsommer gibt es bei uns Feigen in Hülle und Fülle, ich habe sogar selbst welche gepflückt und fast jeden Tag welche geschenkt bekommen. In unserem Bergdorf gibt es an jeder Ecke einen Feigenbaum. Mitgenommen habe ich Feigen in Form von Marmelade, die meine Patentante gemacht hat.

Tee und Kräuter

Olivenblättertee von Notio, Kamille vom Olymp, Zitronenverbene aus Kreta

Ich muss mich fast immer bremsen, um mir nicht den ganzen Koffer voller Kräuter und Tees zu packen. Bei uns in der Nachbarschaft gibt es immer mehr Kräuterläden und Biomärkte. Mitgenommen habe ich:

Kamillentee vom Olymp: Ich bilde mir tatsächlich ein, dass er intensiver duftet und schmeckt. Kein Vergleich zum Beuteltiere.
Olivenblätterte vom Peloponnes: Er enthält keine Tannine und fühlt sich im Mund richtig weich an. Wer grünen Tee mag, sollte ihn unbedingt probieren. Schon seit der Antike ist er als Heilmittel bekannt und wirkt entzündungshemmend. Dieser Tee hier wird in einem kleinen Familienbetrieb produziert. Die Blätter stammen zum Teil von wilden Olivenbäumen und werden schonend luftgetrocknet. Mehr zum Olivenblättertee und dessen Zubereitung in diesem Blogbeitrag.
Zitronenverbene aus Kreta: Ta Sfakia heißt ein Laden mit traditionellen kretischen Produkten in unserer Straße. Immer wenn ich vorbeigehe wird mir ein Raki, Rakomelo (das ist Raki mit Honig und Zimt) oder ein Weinkeks (Krasokoulouro) angeboten. Ich freue mich, dass sich der Laden im zweiten Jahr gut behaupten kann. Schon letztes Jahr habe ich mich hier eingedeckt. Es gibt unzählige Kräuter aus Kreta zu entdecken, Olivenöl und Honig aus eigener Produktion und natürlich kretischer Käse. Aber auch Carobmehl, das in Griechenland ein kleines Revival erlebt. Das musste ich leider dort lassen. Aber dafür landeten Zitronenverbene und Throumbi in meinem Koffer. Die Zitronenverbene wird in Griechenland Louisa genannt und wird als natürliches Beruhigungsmittel angepriesen.

Wilder Thymian vom Pelopennes, Melisse aus Pieria Thrymba aus Kreta

Melisse (Melissochorto) aus Pieria: Die Melisse habe ich bei einem Gemüsehändler gefunden, der sie wiederum von einem Bekannten bezieht. Nachdem der Gemüsehändler sie dermaßen gepriesen hatte, musste sie mit. Außerdem mag ich den Geschmack.
Throumbi aus Kreta: Throumbi ist eine Art Bohnenkraut und wird in der Küche wie Oregano oder Thymian verwendet. Es riecht fantastisch. Und er soll eine belebende Wirkung haben. Passt zu allen Bohnengerichten aber auch zu Fleisch.
Wilder Thymian vom Peloponnes: Auf diesen Thymian habe ich mich schon gefreut. Er wächst auf dem Feld eines kleinen Olivenölproduzenten, der auch den Olivenblättertee herstellt. Wilder Thymian ist sehr intensiv und würzt sehr stark. Ich habe ihn zum Beispiel hier verwendet, in Zitronenkartoffeln, im Briam und zu Fleisch – und ich trinke ihn gerne als Tee, wenn ich ziemlich schlimm erkältet bin. Hier sieht man ihn in voller Blüte.

Olivenöl

Olivenöl Notio

Jede Olivenöl-Flasche von Notio wird nummeriert. Der kleine Familienbetrieb stellt hochwertiges Olivenöl her, streng ökologisch. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Olinenöl Notiogoods

Es lohnt sich wirklich etwas mehr Geld in Olivenöl zu investieren und ein richtig gutes Öl zu kaufen, das intensiv schmeckt und ausgewogen im Geschmack ist. Hier auf Pinterest habe ich Olivenöle von kleinen Produzenten gesammelt, die ich richtig gut finde. Sie stammen aus unterschiedlichen Regionen Griechenlands und werden sorgfältig hergestellt. Mein Kriterium für Olivenöl: es muss mir pur auf Brot gut schmecken und über Feta. Dickflüssig muss es sein mit einer satten Farbe und voller Aroma. Es darf auch ein bisschen an das Bittere von Oliven erinnern. Mittlerweile sehe ich auch im Norden Griechenlands immer häufiger Olivenbäume und kenne ein paar Familien, die ihr eigenes Öl für den Hausgebrauch produzieren.

Dies und Das

Getrocknete Tomaten aus Santorini

Getrocknete Tomaten aus Santorini: Die kleinen Tomaten, die auf vulkanischem Boden wachsen, sind für ihren süßen Geschmack und ihr reiches Aroma bekannt. Ich habe schon fast alle genascht.

Salepi - Sahlep mit Safran aus Griechenland

Salepi oder Sahlep: Die große Packung oben habe ich im Laden gelassen und nur ein paar Tütchen mitgenommen (das rosafarbene auf dem untereren Bild), es ist Salepi mit Safran. Salepi wird aus der Knolle einer Orchideenart gewonnen, dem Knabenkraut. Umgangssprachlich wird es in Grienchenland auch „Sernikobotano“ genannt, was Manneskraut bedeutet. Es soll wohl für männliche Nachkommen sorgen. Salepi wirkt wie ein Verdickungsmittel und ergibt aufgekocht mit Wasser ein aromatisches, sämiges Getränk. Es kann mit Zimt und Ingwer verfeinert werden und wirkt schön wärmend im Wnter und soll bei Erkältungen helfen. Beliebt ist es auch in der Türkei und im arabischen Raum. Leider wird die Orichideenart durch unachtsames Pflücken immer seltener. In manchen Gegenden steht sie unter Naturschutz.

Sahlep und geräuchertes Paprikapulver

Geräuchertes Paprikapulver:  Paprika kapnisti steht handschriftlich auf dem Beutelchen.  Ich habe es in einem kleinen Lädchen gefunden, das viele seiner Produkte offen verkauft.

Griechischer Kaffee Salz aus Messolongi

Griechischer Kaffee: Frischgemahlen landete der griechische Kaffee in meinen Koffer. Normalerweise trinke ich auch in Griechenland meinen Cappuccino. Dieses Jahr jedoch habe ich ausschließlich griechischen Kaffee getrunken und manchmal nachmittags einen kalten Frappé. So bereitet man griechischen Kaffee zu.
Griechisches Meersalz: Das Salz stammt vom Messolongi am Ionischen Meer im Westen Griechenland. Die Region ist für ihren Fischreichtum bekannt und das Salz gilt als besonders rein.

Mich interessiert jetzt: Was davon würdet ihr gerne probieren?


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Ein Gruß aus Griechenland

koinoniki kouzina allilengiis

Mitten in der Stadt, neben der Wohnung meiner Mutter – Kouzina heißt Küche. In dieser „Küche“ bekommen Bedürftige kostenlos Lebensmittel.

Mein Urlaub in Griechenland geht zu Ende. Schon sehr bald fängt mein deutscher Alltag an. Wie immer fällt mir der Abschied schwer. Die Tage sind so wahnsinnig schnell vergangen. Wieder habe ich fast nichts von meinen Plänen verwirklicht. Wieder bin ich aus Nord-Griechenland nicht rausgekommen. Es war wunderschön und es war ein sehr besonderer griechischer Sommer. Eigentlich wollte ich euch wieder zeigen, was ich aus Griechenland mitbringen werde. Das werde ich auch in einem nächsten Blogpost machen. Gekocht habe ich gar nichts… aber ich habe selbst Filo ausgerollt. Ging sogar gut. Es wird also bald Pita mit selbst ausgerolltem Filoteig geben.

Aber dieser Sommer ist besonders. Ich wollte meinen Foodblog frei halten von der Krise. Das geht nicht. Schon die letzten Beiträge fielen mir schwer. Diese Krise ist allgegenwärtig, nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Nicht für mich. Die (finanz-)politische Dimension möchte ich hier außer Acht lassen. Ich möchte euch von den Menschen und dem griechischen Alltag erzählen. Zumindest das, was ich als Außenstehende wahrnehme.

Am Meer

Meine ersten Tage in Griechenland habe ich am Meer verbracht. Irgendwann möchte ich in einer Stadt am Meer wohnen. Das Meer beruhigt mich und ich habe Stunden damit verbracht einfach nur aufs Wasser zu schauen, vom Strand aus und von meiner Terrasse in einem Urlaubsort im Norden Griechenlands. Zum Osten hin das Meer, nördlich der Olymp und westlich der Kissavos. Ein schönes Fleckchen. Das Hotel (ihr findet ein Foto auf der rechten Sidebar) wird von einer sehr netten Familie betrieben. Das Meer ist dort wunderschön, vielleicht etwas flach, man muss weit rausschwimmen, um keinen Boden mehr zu fühlen. Kaum zu glauben, dass ein paar Kilometer entfernt sich ganze Dramen abspielen und so viele Menschen auf ihrer Flucht dort stranden. Es ist nicht das erste Jahr, jetzt sind es so jedoch viele, dass wir endlich hinschauen müssen. Auch darüber haben wir im Hotel gesprochen und über die fehlenden griechischen Gäste, die sich den Urlaub nicht leisten konnten. Zum Glück waren die deutschen Stammgäste da.

In der Stadt

Zurück in Katerini habe ich meine Streifzüge durch die Stadt gemacht. Ich liebe es in irgendeine Richtung zu laufen (meist verlaufe ich mich) und mir die ganz normalen Wohngegenden anzuschauen. Wieder sind Läden umgezogen, kleine Geschäfte sind nicht mehr da und Läden, die schon letztes Jahr in 1A-Lage zum Verkauf standen sind auch dieses Jahr immer noch zu haben. Im nächsten Jahr mit Sicherheit auch. Meine Mutter wohnt sehr zentral. 1B-Lage würde man wohl dazu sagen. Direkt in der Nachbarschaft hat wieder ein Laden zugemacht. Allerdings hat kein neues Geschäft aufgemacht. In den Räumen werden jetzt regelmäßig Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Davon gibt es mittlerweile einige im gesamten Stadtgebiet. Die Menschen rücken zusammen schon immer waren die Familenbande stark. Jetzt sind sie für viele eine Frage des Überlebens. Und ich übertreibe nicht. Ständig habe ich gehört, dass jemand mit seiner Rente, erwachsene „Kinder“ und deren Familien unterstützen muss. Renten, die jetzt gekürzt werden, wiederholt.

Überhaupt die griechischen Supermärkte. Im Juli musste ich in Deutschland hören, dass man doch von 60 € am Tag prima leben kann. Nun es waren 50 €. Wenn ich durch die Regale eines griechischen Supermarkts laufe, dann frage ich mich schon, wie viele hier nicht mehr einkaufen können. Viele Dinge des täglichen Bedarfs sind hier im Vergleich zu Deutschland teurer, Milch, Käse, Waschmittel, Hygieneartikel, sogar Obst und Gemüse der Saison. In diesen Supermärkten kann man Einkäufe für diejenigen spenden, die sich nichts mehr leisten können.

Gleich am zweiten Tag musste ich übrigens zum Steuerberater und zum Finanzamt. Mir gehört nämlich ein Fünftel einer Wohnung. Als ich die neue Steuer für die Wohnung zusammengerechnet hatte, dachte ich, na ja das geht ja noch. Das war die Steuer rückwirkend für 2013. Wenn ich an meine Bekannten denke, dann weiß ich, dass das für alle eine Herausforderung sein wird. Bei den Eigentümerversammlungen des Hauses geht es im Winter immer häufiger darum, dass an warmen Tagen nicht geheizt werden soll oder nur ein paar Stunden am Tag. Es ist der griechische Mittelstand.

Hier komme ich mit wildfremden Menschen schnell ins Gespräch. Und immer wirklich immer war die Krise ein Thema. Oft wurde ich gefragt, was denn die Deutschen über die Griechen jetzt denken. Stärker noch als im letzten Jahr spüre ich Ratlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Manchmal auch etwas Trotz. Cousinen, die sich nie vorstellen konnten außerhalb Griechenlands zu leben, fragen sich, ob ihre Kinder eine Zukunft in diesem Land haben. Sie widersprechen nicht, wenn die Kinder ein Studium ablehnen. Es gibt nun mal keine Sicherheit.

Vom Gesundheitssystem will ich jetzt gar nicht anfangen. Und von vielen anderen Dingen auch nicht, dieser Beitrag würde unendlich lang werden. Mir sind bei meinen Spaziergängen sehr viele neue kleine Geschäfte mit traditionellen Produkten und Bio-Produkten aufgefallen. Hier in Katerini kann man an fast jeder Ecke Heilkräuter kaufen. Viele kenne ich gar nicht. Die Menschen greifen wieder zu Kräutern, um sich gesund zu halten oder sich zu heilen. Das sagt schon viel aus. Unsere Nachbarin, die eine Apotheke gegenüber betreibt, möchte sich auch mit Heilkräutern befassen. Einige ihrer Kunden können sich Medikamente nicht mehr leisten. Alle müssen gesund bleiben. Auch ich habe mich eingedeckt. Womit zeige ich euch demnächst.

Außerdem sind mir unglaublich viele tolle Produkte, von kleinen Familienbetrieben aufgefallen: Honig, Olivenöl, Joghurt, Käse, Urgetreide, Marmeladen und Pasten, Gewürze und Tees. Ich wünsche diesen kleinen Betrieben viele Käufer. Und ich wünsche Griechenland in der nächsten Urlaubssaison viele Gäste. Es ist nämlich verdammt schön hier.

Im Dorf

Hier ein paar Impressionen vom Bergorf meiner Eltern, am Fuße der Pieria-Gebrige. Das Dorf heißt Ritini. Bei klarer Sicht ist das Meer zu sehen, Halkidiki und sogar Thessaloniki. Nachts kann man die Schiffe im Hafen von Thessaloniki erkennen. Und der August-Vollmond hat sich im Meer gespiegelt.