Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


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Lalangítes mit Minze, Frühlingszwiebeln und Feta – für Oma

Lalangites mit Minze, Frühlingszwiebeln und Feta (Babalokeftedes)

Λαλαγγίτες

Meine Oma wird heute 100! Wahnsinn oder? So wollte ich meinen Blogbeitrag für morgen beginnen, in der Annahme, dass meine Oma am 24. Februar 2014 stolze 100 wird. Jetzt ist sie das aber schon längst! Die Verwirrung begann kurz vor Weihnachten und ist etwas typisch für (m)eine griechische Familie. Sie geht irgendwie so:

„Oma wird nächstes Jahr 100.“
„Wirklich, wow, Das müssen wir feiern.“
„Ach was, wir feiern keine Geburtstage.“
(Zwischendiskussion mit meinem Bruder: Fliegen wir hin? Erlauben das unsere Jobs zeitlich?)
Unsere Frage: „Wann hat jetzt Oma genau Geburtstag, damit wir Urlaub einreichen, Flüge buchen, etc?“
„Das weiß sie nicht so genau.“
„Aber das lässt sich doch bestimmt rausfinden?“
„Wir feiern den Geburtstag einfach an ihrem Namenstag, das ist der 01. Januar.“
Zwischenzeitlich meinte meine Mutter, dass es der 24. Februar sein muss. Sie hätte mal ihren Personalausweis gesehen, da stand der 24. Februar 1914.

Also überlegte ich mir, welches Rezept ich mit meiner Oma verbinde. Rezept gekocht, Blogbeitrag fertig, ich mit meiner Mutter heute telefoniert:

„Oma wird morgen 100, Wahnsinn, oder“
„Oma ist schon 100. Deine Tante hat mir den Personalausweis gezeigt, da steht der 01. Januar 1914 drin.“
„Wie jetzt? Ich hätte Oma morgen angerufen und für Verwirrung gesorgt.“
„Sie freut sich doch immer über Deinen Anruf… Na ja, Deine Cousinen haben ihr ja am Namenstag einen schönen Geburtstagskuchen gebacken. Oma hat sich gefreut“.

Ich rufe sie morgen trotzdem an. Hoffentlich hört sie das Telefon, denn Ihre Schwerhörigkeit ist eines der wenigen Dinge, die ihr zu schaffen machen. Sie lebt alleine in dem Haus, das sie in den 30er Jahren mit meinem verstorbenem Opa gebaut hat. Die größte Strafe für sie ist, wenn sie mal krank wird und zu einer der Töchter in die Stadt muss. Sobald sie gesund ist, will sie wieder in ihr Haus – und wehe jemand widerspricht. Vor zwei Jahren hat meine Oma angefangen sich bei mir mit den Worten „jetzt sehen wir uns erst im Himmel wieder“ zu verabschieden. Sie ist sehr gläubig. Ich widerspreche ihr dann und sie antwortet: „ach, meine Liebste, es sind einfach viel zu viele Jahre“.

Omas HochzeitsbildIch stelle euch heute ein Rezept vor, das ich mit meiner Oma verbinde: Lalangites und zwar die Variante mit Minze, Frühlingszwiebeln und Schafskäse. Wenn wir zu Besuch kommen, kündigen wir das nie groß an, damit sich Oma nicht überanstrengt mit irgendwelchen Vorbereitungen. Waren wir erst, da zauberte sie selbstverständlich trotzdem etwas: meist Lalangites. Wir kennen sie in unserer Familie in drei Varianten: süß (gab es nach meinem Geschmack viel zu selten), mit Schafkäse, oder diese Variante hier mit Kräutern und Frühlingszwiebeln. Die Familie meiner Oma nennt sie Babalokeftedes, da in unserem Bergdorf die ältere Generation zu Kräutern Babala sagt.

Oben seht ihr übrigens das Hochzeitsbild meiner Oma. Da war sie ungefähr 20. Mein Opa ist leider vor 35 Jahren gestorben. Im Vordergrund brennen die Kerzen auf ihrem Namenstags-Geburtstagskuchen.

Nun ist es ein ganz anderer und viel längerer Blogbeitrag geworden. Und ich habe einen Verdacht… Wahrscheinlich ist Oma schon 101 und die haben 1914 einfach den 01.01. als Geburtsdatum genommen. Soll vorgekommen sein in klitzekleinen griechischen Bergdörfern Anfang des letzten Jahrhunderts.

Zutaten für ca. 20 Stück

  • 200 g lauwarmes Wasser
  • 1/8 Stück Hefe, oder 1/2 TL trockene Hefe
  • 2 Eier
  • 200 g Mehl
  • Salz und Pfeffer
  • 1 TL getrocknete griechische Minze (oder einfach weglassen)
  • 4 dünne Frühlingszwiebeln
  • ein paar Zweige frische Minze
  • 100 g Schafskäse
  • Öl zum Braten

Die Hefe im Wasser auflösen. Die Eier kurz schlagen und zur Hefe geben. Das Mehl nach und nach darunter mischen. Es soll eine dickflüssige Masse entstehen. Etwas dicker als zum Beispiel ein Pfannkuchenteig. Salzen und pfeffern und ggf. die getrocknete Minze unterrühren. Den Teig etwas stehen lassen.Teig für Lalangites, Babalokeftedes

Die Frühlingszwiebel putzen und feine Scheiben schneiden. Die frische Minze waschen und klein Schneiden. Den Feta zerbröckeln. Nach ca. 10 Minuten alle Zutaten zum Teig geben und gut vermischen.

Das Öl in einer Pfanne erhitzen. Ich nehme zum Braten immer eine Mischung aus Pflanzenöl und Olivenöl. Nun portioniert ihr den Teig mit einem großen Esslöffel und setzt kleine Teighäufchen in das heiße Fett. Von beiden Seiten ein paar Minuten braten. Sie sollten eine schöne goldbraune Farbe bekommen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Dazu passt Salat, Tsatsiki, oder ein einfacher Dip aus Joghurt.


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Riesenbohnen aus dem Ofen – Gígantes

Gigantes plaki - Riesenbohnen aus dem Ofen

Γίγαντες

Das habt ihr bestimmt schon mal beim Griechen auf einer gemischten Vorspeisenplatte entdeckt: Riesenbohnen in einer würzigen Tomatensauce. Hülsenfrüchte sind in Griechenland ziemlich beliebt besonders als Suppe oder Eintopf, wie die Fasolada (Bohnensuppe) oder Fakes (Linsensuppe). Sie gelten als sehr gesund, preiswert und nahrhaft. Gigantes plaki (oder Gigantes sto fourno), werden dagegen häufig als Teil einer Mezzeplatte serviert. Ich koche sie nicht so häufig, da ich meist von jetzt auf gleich entscheide, was ich kochen möchte. Eine stundenlange Einweichzeit passt meistens nicht in meinen Zeitplan. Deswegen bestelle ich mir beim Griechen oft diese Vorspeise dazu und denke mir jedes Mal, das kann ich doch viel besser.

Gestern habe ich diese italienischen Riesenbohnen auf dem Viktualienmarkt in München entdeckt. Für den Gegenwert meines halben Gemüse-Wocheneinkaufs landeten sie in meiner Küche, ich muss total verrückt sein. Das mit dem preiswert stimmt in meinem Fall nicht. Heute gab es also Gigantes – als Hauptgericht mit Brot und Salat.

Gigantes vor dem EinweichenIhr braucht

  • 300 g Riesenbohnen
  • Olivenöl
  • 1 (rote )Zwiebel
  • 1 Karotte
  • 1 Paprika
  • 1 Knoblauchzehe
  • 150 g passierte Tomaten
  • Salz
  • Pfeffer
  • Paprika edelsüß
  • Cayennepfeffer
  • etwas Honig
  • 1 EL Tomatenmark
  • Majoran
  • Oregano
  • 1 Lorbeerblatt

Zunächst die Riesenbohnen ca. 12 Stunden oder über Nacht in Wasser einweichen. Am nächsten Tag das Wasser abgießen und die Bohnen mit frischem Wasser zum Kochen bringen und fast gar kochen. Im normalen Topf dauert das ca. 1,5 Stunden. Ich habe sie im Schnellkochtopf in ca. 10 Minuten gegart. Das Wasser darf dabei nicht gesalzen sein. Wir wollen ja nicht riskieren, dass die Bohnen erst gar nicht weich werden.

Vorgekochte Riesenbohnen

In der Zwischenzeit wird die Sauce vorbereitet: Dazu die Zwiebel, die Karotte, die Paprika und die Knoblauchzehe fein würfen.  Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und das Gemüse darin andünsten. Den Honig hinzufügen und noch kurz weiterbraten. Die passierten Tomaten hinzufügen, sowie das Tomatenmark und ca. 150 ml Wasser. Salzen, pfeffern und kurz aufkochen lassen. Beim Salz könnt ihr sehr großzügig sein, denn die Riesenbohnen sind ja noch komplett ungesalzen.

Den Ofen schon ein Mal auf 180 Grad vorheizen

Die gegarten Riesenbohnen abgießen und in eine Auflaufform geben. Das Innere sollte schon ziemlich weich sein. Nun kommt die Sauce dazu, sowie der Oregano, das Majoran und das Lorbeerblatt. Gut umrühren und noch etwas Wasser hinzufügen, bei mir waren es ca. 200 ml. Mit Olivenöl beträufeln. Die Sparsamen nehmen wie ich zwei Esslöffel, alle anderen nehmen so viel sie möchten.

Die Riesenbohnen bei 180 Grad 1 – 1,5 Stunden backen. Wenn notwendig, noch etwas Wasser hinzufügen. Das Gericht ist sind fertig, wenn die Bohnen butterweich sind und kaum noch Flüssigkeit in der Form übrig ist. Bei mir hat es 1 Stunde und 15 Minuten gedauert. Ich musste kein Wasser hinzugeben.

gigantes-vor-dem-backen


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Tahinómelo – Tahini, Honig, fertig

Tahinomelo - Tahini mit Honig Brotaufstrich

Ταχινόμελο

Tahinómelo ist ein süßer Brotaufstrich aus Honig und Tahini (méli kai tahíni). Als ich das Bild eben auf Instagram gepostet habe, schrieb mir Meersuppe  „Alles wird besser, wenn Tahini da ist“. Da kann ich ihm wirklich nicht widersprechen. Ich liebe Tahini, ganz besonders in Hummus. Probiert mal Hummus mit Orangensaft und Orangenschale statt mit Zitronensaft aus. Sehr lecker. Aber ich schweife ab…

Sesam und Honig findet sich in Griechenland auch in einer anderen Süßigkeit, dem Pastéli. Vielleicht habt ihr diese Sesamsnacks schon gesehen: Kleine, harte Quadrate aus Sesam, Honig und Zuckersirup. So ähnlich ist der Geschmack von Tahinomelo. Weil es sehr süß ist, brauche ich nur einen kleinen Teelöffel auf meinem Brot.  Der Tahini-Honig passt auch wunderbar zu Joghurt, zu Grießbrei, Milchreis etc.

Einfach Tahini und Honig verrühren. Fangt am besten mit einem Verhältnis 1:1 an und fügt je nach Geschmack mehr Honig oder mehr Tahini hinzu. Je nachdem wie süß ihr das Tahinomelo haben möchtet und natürlich wie kräftig und  aromatisch euer Honig ist. Probiert mal Thymianhonig aus.