Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


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Paspalopita mit Horta und Feta

Paspalopita mit Horta und Feta

Πασπαλόπιτα με χόρτα και φέτα

Und auch dieses Jahr habe ich in Griechenland nicht gelernt Filo selbst auszurollen. Um mich mit dem Thema „selbst irgendwann mal vielleicht einen eigenen Filo-Teig herstellen“ zu beschäftigen, habe ich noch in der letzten Stunde vor der Abfahrt Richtung Flughafen einen „Plasti“ oder „Werga“. gekauft. Das ist ein langer dünner Holzstab, mit dem es gelingt aus einer Teigkugel hauchdünnes Filo zu rollen. Ich habe den kleinsten im Laden gekauft. Er passte nicht mal diagonal in den größeren Koffer, und blieb zurück. Tja, und weder kein Equipment für selbstgerollten Filo im Haus.

Klar kann man auch den fertigen Filo dafür nehmen. Es gibt sogar dickeres Tiefkühl-Filo für herzhafte Pitas. Das ist aber wirklich nicht das gleiche. Den Fertigfilo nehme ich gerne für Süßes wie hier und in Ausnahmefällen auch mal für herzhaftes wie hier.  In Griechenland habe ich sogar eine andere Form von Filo für Pitas entdeckt: Fertig gebacken und getrocknet. Und noch viel besser: Ich habe von einer Pita gehört, die sich Paspalopita nennt. Pita ohne Filo, das ist klasse, das habe ich hier und hier schon ausprobiert.

Paspalopita, kannte ich nicht. Darauf war ich sehr gespannt. In dem Wort steckt der griechische Ausdruck für bestäuben oder bestreichen, „paspalizo“. Und das beschreibt auch schon die Herstellungsmethode. In einem der Kochbücher habe ich ein Rezept entdeckt. Allerdings habe ich es komplett umgewandelt: Normales Mehl statt Maismehl, anderes Grünzeug für die Füllung, andere Kräuter, nur Öl statt ein Butter-Öl-Gemisch. Und beim „zusammenbauen“ habe ich mich auch nicht mehr komplett an die Beschreibung gehalten. Als die Paspalopita dann im Ofen war, war ich selbst ziemlich gespannt auf das Ergebnis.

Zutaten für eine Rundform (26 cm Durchmesser)

Für die Füllung

  • 1 kg Grünzeug (Spinat, Baby-Spinat, Mangold, Portulak), die Griechen würden Horta oder Chórta zu dieser Mischung sagen
  • 100 g Feta (wer mag auch mehr)
  • 1 kleine Schalotte oder Zwiebel
  • 1 El Olivenöl zum Braten
  • Salz, Pfeffer
  • ein paar Stängel frische griechische Minze und Knoblauchgrün (hatte ich gerade im Hause, das könnt ihr auch weglassen oder normale Minze oder Petersilie nehmen)

Für die Pita

  • 300 g Mehl gemischt mit 1 TL Salz
  • ca. 70 ml Olivenöl
  • ca. 250 – 300 ml Wasser

Außerdem

  • ein kleines Sieb
  • Backpinsel

So wird es gemacht

Blattgrün für Paspalopita

Zunächst das Blattgrün gründlich verlesen und waschen. Nehmt am besten normalen Spinat. Aber da ich noch Baby-Spinat für grüne Smootthies hatte, kam auch das rein. Das dauerte beim Putzen etwas länger. Vom Mangold solltet ihr die groben Stiele am besten ganz entfernen und nur die zarten bzw. die Blätter verwenden. Abtropfen lassen.

Etwas Wasser mit Salz in einem Topf erhitzen und das Grünzeug darin ein paar Minuten blanchieren, bis die Blätter zusammengefallen und weich sind. Abtropfen lassen und gut abkühlen lassen. Die große Menge schrumpft zusammen, wie ihr hier sehen könnt.

Gekochtes Blattgrün für Paspalopita

 

Die Schalotte oder Zwiebel fein würfeln und in etwas Olivenöl anschwitzen. Den Feta zerbröckeln. Die Minze und das Knoblauchgrün waschen und in feine Streifen schneiden. Alle Zutaten mit dem gekochten Blattgrün gut vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, aber erst probieren, vielleicht bringt der Feta schon genug Würze in die Füllung.

Füllung für Paspalopita

Nun wird die Pita zusammengestellt

Den Ofen könnt ihr schon mal auf 180 Grad vorheizen. Stellt euch die Backform, das Mehl, das Wasser und das Öl mit einem Pinsel und ein kleines Sieb bereit. Ungefähr so wie auf dem Bild.

Paspalopita - alles bereit

Der Boden der Paspalopita: Der Boden der Form wird jetzt großzügig mit Olivenöl bestrichen, danach wird das Mehl ordentlich darüber gestäubt.

Paspalopita Schritt 1

Im nächsten Schritt sprenkelt ihr das Wasser über die Mehlschicht, so dass das ganze Mehl durchnässt ist. Eine Sprühflasche wäre perfekt gewesen, ich habe es jedoch mit den Fingern machen müssen.

Nach diesem Bild hier unten habe ich das Wasser noch besser verteilt. Spätestens jetzt war ich mir sicher: Das wird nie und nimmer eine essbare Pita… oder irgendetwas essbares.

Paspalopita Schritt 2

Ich habe aber unverdrossen weitergemacht und für den Boden noch zwei Mal die Mehl-Wasser-Schicht wiederholt, also insgesamt drei Mehlschichten für den Boden, eine Ölschicht bildet den Abschluss des Bodens.

Paspalopita Schritt 3

Die Hälfte der Füllung wird nun auf diesen Boden gleichmäßig verteilt.

Paspalopita Schritt 4

Aus der Region, aus der ich komme wird zwischen der Füllung noch ein weiteres Filoblatt gelegt. Da das Rezept im Buch, an das ich mich schon nicht mehr so exakt gehalten habe, auch eine Maismehlschicht zwischen der Füllung vorsah, beschloss ich mich mal daran zu halten. Über die Füllung habe ich also Mehl gestäubt und diese dann mit Wasser besprenkelt, dann nochmal Mehl und nochmal Wasser und zum Schluss noch ein paar Spritzer Öl. Das wären dann zwei Mehlschichten zwischen der Füllung. Auf diese Mehlschicht kommt jetzt der Rest der Füllung und darüber wieder eine Mehlschicht.

Paspalopita Schtitt 5 Mehl über der Füllung

Über diese Mehlschicht kommt wieder eine Wasserschicht, das wird noch zwei Mal wiederholt für insgesamt drei Mehl-Wasser-Schichten. Zum Schluss kommt das restliche Olivenöl auf diese Schichten. Jetzt ist sie fertig für den Ofen.

Paspalopita fertig für den Ofen

Ihr seid spätestens jetzt skeptisch? Das war ich auch!

Die Paspalopita wird nun ca. 40 Minuten bei 180 ° in der mittleren Schiene gebacken. Nach dem Backen lasst ihr sie am besten noch ca. 15 Minuten ruhen. Das Ergebnis sollte dann so aussehen.

Paspalopita mit Horta und Schafskäse

Ich war toltal überrascht, dass diese Mehl-Wasser-Pampe eine feste und leckere Teigschicht bildet, sogar zwischen der Füllung. Und das man das sogar sieht. Sie hat auch wirklich nach Pita geschmeckt, auch wenn es kein Vergleich ist zu einer Pita mit Filo. Dennoch, lecker und zur Nachahmung empfohlen. Wer sich also wie ich nicht an Pita rantraut, fängt damit an.

 


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Ich packe meinen Koffer… wieder aus

Mitgebracht aus Griechenland Zitronen und Olivenöl

Ich bin wieder aus Griechenland zurück. 13 viel zu kurze Tage gingen viel zu schnell vorbei. Interessiert es euch, was ich kulinarisches mitgebracht habe? Dann macht euch mal einen Kaffee, das dauert hier etwas länger. Wobei Tee besser zu diesem Beitrag passen würde. Ich gebe zu, dass ich in Griechenland etwas schizophren unterwegs bin: Einerseits lehne ich viele Dinge ab (nein, ich möchte keinen Tsipouro, keinen Kaffee, keine Tomaten, keine Feigen, keine Kekse, keine Pralinen, keine Loukoumia und auch keinen Schafskäse mitnehmen), andererseits kaufe ich hier und da Kleinigkeiten ein, lasse mir selbstgemachte Marmelade, selbst gesammelte Kräuter oder dann doch Kekse mitgeben. Wenn es dann ans Einpacken geht, staune ich über die riesige Anzahl an „Kleinigheiten“, die alle in den Koffer wollen. (Dazu kommen nicht essbare Dinge textiler oder kosmetischer Art und alles was frau halt so gefällt).

Tee und Gewürze

Tee und Kräuter aus Griechenland Zitronen und Olivenöl Blog

„Du nimmst nur Lindentee“ mit, sagte ich mir vor meinem Abflug. Mein Kräuterschrank ist nämlich mehr als gut gefüllt. Lindentee habe ich mitgebracht, auch wenn München voller Lindenbäume ist. Es mag Einbildung sein aber ich mag den griechischen Lindentee viel lieber.  Wie ihr seht ist es nicht nur bei Lindentee geblieben, von oben linke im Uhrzeigersinn (beim Klick vergrößern sich die Bilder):

Diosmos - Griechische MinzeGriechische Minze (Diosmos – δυόσμος)

Diese Minze ist unvergleichlich und lässt sich nicht mit der Minze vergleichen, die hier zu bekommen ist. Frische Minze, die der griechischen ähnelt finde ich nur in arabischen Geschäften. Getrocknet verwende ich sie gerne in Tomatensaucen, Couscous-Salat, Keftedakia (Hackfleischbällchen), Lalangites und vielem mehr. Ihr ahnt es wahrscheinlich, ich hatte noch genug Diosmos im Haus. Aber was ist schon genug.

 

Malventee - Molocha aus GriechenlandMalventee (Molocha – μολόχα)

Keine Ahnung warum ich den mitgenommen habe. Er sah so schön aus. In griechischen Kräuterläden packt mich tatsächlich so eine Art Shoppingwahn. Es gibt so vieles, was ich nicht kenne und was ich unbedingt probieren muss. Soll sehr gesund sein.

 

Lindentee - Flamouri aus GriechenlandLindentee (Flamúri oder Tilio – φλαμούρι, τίλιο)

Was soll ich zu Lindentee groß sagen, den kennt ihr bestimmt. Ich trinke ihn auch im gesunden Zustand sehr gerne und mische ihn auch mal mit griechischem Bergtee. Diesen Tee  bereite ich auch wie den Bergtee zu, ich werfe ein paar Zweige in kaltes Wasser, bringe das ganze zum Kochen und lasse es ein paar Minuten kochen.

 

Weiß ich auch nicht, was das ist - Zitronen und OlivenölWeiß ich auch nicht so genau

Diese Stängelchen mit kleinen grünen Blättchen dran habe ich im Küchenschrank meiner Mutter gefunden. Sie hat ihn von einer Verwandten, die für mich meine dritte Oma war. Sie meinte, dass dieser Tee bei schlimmen Erkältungen und Husten helfe. An die Bezeichnung konnte sich meine Mutter nicht mehr so genau erinnern… sapun oder sapfun. Mir kommt der Geruch wahnsinnig vertraut vor, ich kann ihn aber nicht zuordnen. Ich tippe auf Sapunochorto (Seifenkraut). Das soll wohl auch bei Bronchitis gut sein und waschen kann man auch damit. Erkennt es jemand? Freue mich über jeden Hinweis.

 

Diktamos Diktam-Dost - ein Teekraut aus KretaDiktamus (Diktam-Dost δίκταμος)

Im Norden Griechenlands bin ich mitten in einen kretischen Laden gestolpert und habe dieses nur auf Kreta wachsende Kraut gefunden. Diktamus ist mit dem Oregano verwandt und wird von den Kretern in deren Dialekt auch Erontas (im Rest Griechenlands Erotas = Liebe) genannt. Schon Homer hat Diktamus in der Ilias erwähnt. Laut Hippokrates hilft er bei der Geburt. Außerdem wirkt Diktamus antiseptisch und hilft wohl auch bei Erkältungen.  Als Tee schmeckt er ziemlich würzig, ich mag das. So sieht das übrigens aus:

Tee aus Diktamos

 

Malotira - Bergtee aus KretaMalotira (μαλοτήρα)

Ebenfalls nur auf Kreta kommt der Malotira vor – der griechische Bergtee dieser Insel. Er unterscheidet sich jedoch im Aussehen und Geschmack vom Bergtee des restlichen Landes. Zu griechischem Bergtee werde ich mal einen eigenen Beitrag schreiben. Ich finde ja, he höher er wächst, desto besser ist er auch.

 

Süßes und Sonstiges

Honig und Süßes aus Griechenland Blog Zitronen und OlivenölVon oben recht im Uhrzeigersinn..

  • Kroko Kozanis (κρόκο κοζάνης)
    hier besser bekannt als Safran. In der Gegend von Kozani wird Safran angebaut. Hin und wieder kaufe ich mir gerne eine griechische Teemischung mit Safran und Salbei. Auf diese habe ich jedoch in diesem Jahr verzichtet und werde ihn selbst mischen. Nach der griechischen Mythologie kämpfte der Gott Hermes (gr. Ermís) mit seinem Freund Krokus zum Spaß und verwundete ihn dabei. Drei Blutstropfen fielen auf eine Blume und bildeten die drei Stempel dieser Blume.
  • Pinien-Thymian-Honig und rechts daneben Thymianhonig
    Gefühlt stand ich mindestens eine Stunde vor dem riesigen Honigregal im griechischen Supermarkt und konnte mich einfach nicht entscheiden. Letztendlich habe ich mich auf diese beiden Sorten beschränkt und die restlichen drei Gläser wieder zurück ins Regal gestellt. Ich wollte eigentlich nur Thymianhonig kaufen nun ist auch ein Pinien-Thyminahonig dazugekommen.  Zurückgelassen habe ich Blütenhonig und Salbeihonig
  • Karotten in Sirup (Gliko koutaliou karoto)
    Diese kleine Süßigkeit hat mir meine Patentante geschenkt, produziert wird sie bei uns im Dorf. Die Methode ist fast immer dieselbe mit Varianten je nach Obst oder Gemüse. Karotte kannte ich bis jetzt nicht, es schmeckt wirklich sehr gut besonders zu Joghurt oder Frozen Joghurt. Auch in Griechenland gibt es diese Buden mit dem Unterschied, dass man dort in Sirup eingelegtes als Topping wählen kann. Ich habe mich oft für Karotte entschieden. Normalerweise bekommt man dieses Gliko Koutaliou – Löffelsüßigkeit – auf einem kleinen Löffel zum Kaffee und mit einem großen Glas Wasser serviert.
  • Selbstgemachte Pflaumenmarmelade
    Meine Patentante hat außerdem Marmelade gemacht und mir ein großes Glas mitgegeben. In Griechenland gibt es keinen Gelierzucker – zumindest nicht bei uns in der Provinz. Ihre Marmeladen werden daher ziemlich lange mit Zucker eingekocht.
  • Schwarzer Sesam
    der lag da so schön rum und ich habe keinen zu Hause.

 

… und Kochbücher

Griechische Kochbücher für Zitronen und Olivenöl

Als ich vor dem leeren Geschäft meines Lieblingsbuchladens stand, war ich kurz erschrocken. Das rote Schild „zu Vermieten“ habe ich ziemlich oft gesehen und so dachte ich, dass auch dieses Geschäft der Krise zum Opfer gefallen ist. Diese Krise ist im Sommer und in touristischen Gegenden oft nicht auf dem ersten Blick sichtbar. Sie ist aber spürbar und allgegenwärtig. Sie verändert meine Heimatgegend, das Land und auch die Menschen.

Der Buchladen ist eine Ecke weiter gezogen, er hat sich im Gegensatz zu vielen anderen Geschäften nicht verkleinern müssen. Dort habe ich drei Kochbücher gefunden (also eigentlich habe ich mich auf drei beschränkt): ein Buch über (Wild-)Kräuter wie die Wlita mit vielen Rezepten.  Ein Kochbuch mit Rezepten aus ganz Griechenland und ein Buch, das einfach wunderschöne Fotos hat von Andreas Lagos. Bei gut gemachten Büchern muss ich halt zuschlagen und dieses Buch zeigt sehr moderne Foodfotografie mit kleinen grieschisch-rustikalen „Brüchen“. Beim Reinblättern bin ich gleich am ersten Rezept hängengeblieben, also auf dieser Seite hier…

Griechisches Kochbuch von Andreas Lagos

Da war klar, dass ich das Buch haben muss. Das sind „nur“ weiche Eier im Glas. Und gerade eben habe ich mich entschieden, euch in einem anderen Blogbeitrag den Grund dafür zu erzählen.

Zurück in München (wieso ist es hier eigentlich so kalt?) habe ich fast jeden Sonnenstrahl genutzt und auf meinem Balkon verbracht. Beim Blättern in den griechischen Kochbüchern habe ich gleich mal die Sirupkarotten mit griechischem Joghurt genossen.

Griechischer Joghurt mit Sirupkarotten


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Agourida – die mild-aromatische Säure von unreifen Trauben

Agourida - unreife Trauben

„Wenn ich doch nur etwas Agourida für die Paprika hätte“, meinte meine Patentante, als sie mich letztens in unserem Bergdorf zum Essen eingeladen hatte. Mit diesem Satz hat sie mich in den Garten meiner bereits früh verstorbenen Oma katapultiert. Als Agourida (in unserem Bergdorf „Agrida“) werden unreife Trauben bezeichnet. Der säuerlich-aromatische Saft wird statt Zitronen oder Essig verwendet und würzt schlichte Gemüsegerichte und mehr. In unserer Region werden bis Mitte August gebratene Paprika gerne mit dem Saft unreifer Trauben gesäuert. Wer vor dem 15. August (ein großer Feiertag in Griechenland) fastet, verzichtet sogar auf Olivenöl, Agourida bringt daher den Geschmack ins Sommergemüse.

Dieses Essen hatte damals immer meine Oma für uns gemacht, selbstverständlich mit eigenen Paprika, die sie im Steinofen im Garten direkt im Feuer geröstet hat. Um an unreife Trauben zu kommen, musste sie lediglich aus dem Haus und am Feigenbaum vorbei. Auf meinem Streifzug durchs Dorf bin ich am mittlerweile fast verfallenen Haus meiner Oma vorbei und habe tatsächlich Agourida gefunden und mitgenommen.

Mit meiner mageren Ausbeute an Agourida bin ich also zurück und wurde schon auf der Straße angesprochen und darauf hingewiesen, dass ich mit diesen paar Trauben keine einzige Paprika würzen könnte. Nach ein paar Tagen hat meine Mutter einen ganz Sack voll in Empfang genommen. So sind die Verwandten in Griechenland 🙂 Der Saft dieser Trauben hat für mehrere Bleche Paprika ausgereicht, für Salat und für Fleisch. Er passt auch gut zu Okraschoten.

Gebratene Paprika mit Agourida - dem Saft unreifer Trauben

Ihr braucht 

  • 1 kg unreife Trauben
  • 1 kg Paprika
  • Salz
  • Olvenöl

 

Gebratene Paprika

Die Paprika waschen, abtrocknen und im Ofen bei 200 ° backen, bis die Haut Blasen wirft. Dabei ein Mal wenden, damit sie von allen Seiten Farbe bekommen. Aus dem Ofen nehmen und in einem Plastikbeutel umfüllen und verschließen. Ca. 10 Minuten im Beutel lasen bis sie etwas abgekühlt sind. So lassen sie sich auch leichter schälen. Falls ihr einen Grill habt, dann lasst den Ofen aus. Vom Grill schmecken sie viel besser.

In der Zwischenzeit geht es den unreifen Trauben an den Saft. Meine Oma hatte dazu einfach die Trauben über die Paprika ausgepresst. Das habe ich versucht und mich dann in der Küche meiner Mutter nach einem Mixer umgeschaut. Die Agourida wird normalerweise samt Stiel im Mörser zerstoßen. Ich finde jedoch, der Mixer leistet ganz gute Dienste. Die verlesenen und gewaschenen Trauben habe ich von den Stielen befreit und im Mixer zu Brei püriert. Danach habe ich den Saft durch ein Sieb gegossen.

Agourida entsaften - unreife Trauben

Hier ist sie, die frisch gewonnene Agourida. Der Saft hat eine relativ milde Säure, das lag bestimmt auch daran, dass einige der Trauben schon etwas reifer waren. Die von der Haut befreiten Paprika werden mit dem Saft beträufelt und mit Salz gewürzt. Da ich nicht gefastet habe, habe ich auch noch einen guten Schuss Olivenöl dazugegeben: Ein richtiges Festessen!

Agourida - Saft von unreifen Trauben

 

Und da ich ziemlich viel Agourida gewonnen habe, habe ich auch gleich den gekochten Wildkräutersalat aus Amaranth mit Agourida statt Zitronensaft angemacht. Das war auch sehr fein, meine Mutter war zunächst ziemlich skeptisch.


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Wildkräutersalat mit Amaranth – Wlita

Salat aus Wilkräutern Amaranth - Wlita

Σαλάτα βλήτα – Wilkrätuersalat mit Amaranth (Wlita)

Wildkräuter sammeln, kochen und daraus diesen köstlichen Salat zu machen – das ist etwas, was ich in Deutschland nicht schaffe. Das fängt schon damit an, dass ich diese essbaren Kräuter nicht kenne – geschweige denn erkenne. Ein Onkel von mir, der im Süden Deutschlands lebt, sammelt auf seinen Spaziergängen durch die Felder alle möglichen Kräuter und kocht daraus diesen Salat. Da meist verschiedene Kräuter dafür gesammelt werden wird der Salat auch „Chorta salata“ genannt. Chorta heißt schlicht Gräser. Aus den Wildkräutern macht man in Griechenland gerne diesen gekochten Salat, oder man füllt damit Pita. In anderen Gegenden Griechenlands gibt es zahlreiche Rezepte für Hauptgerichte mit diesen und andren Kräutern. Als wir vor ein paar Tagen meine Oma besucht haben, hat meine Mutter im verwilderten Garten Wlita (Amaranth) entdeckt und eine ganze Tüte davon gesammelt. Ihre ältere Schwester echauffierte sich etwas: „Deine Tochter kommt zu Besuch und Du kochst ihr Wlita, mach‘ ihr wenigstens eine ordentliche Pita daraus!“. Ich fahre jedoch ungern aus Griechenland weg, ohne diesen gekochten Salat gegessen zu haben. Deshalb hat meine Mutter immer eine Portion in der Tiefkühltruhe für mich und meinen Bruder. Jetzt gab es also frisch gekochten Salar.

Blita - Wilde Amaranthblätter für Salat

Meine Mutter hat nicht nur Amaranthblätter gesammelt sondern auch ein paar wenige andere Wildkräuter erwischt, die sie als „Molocha“ und „Louboudia“ bezeichnet. Im unteren Bild seht ihr hinten den Amaranth (Wlita), vorne links die wilde Malve (Molocha) und vorne rechts den weißen Gänsefuß (Louboudia). Lediglich den Portulak (Glistrida) hat sie links liegen lassen, den mag sie nicht.

Verschiedene Wildkräuter - Wlita, Amarantz, wilde Malve, weißer Gänsefuß, louboudia

 

Für 4 als Salat-Beilage

  • ca. 500 g – 600 g Wildkräuter, hauptsächlich Amaranth  (ca. 1 Tüte voll)
  • 1 EL grobes Meersalz
  • Den Saft einer Zitrone
  • 3-4 EL Olivenöl
  • Salz
  • evt. Pfeffer

Der Berg aus Wildkräutern bestand  zu 90 % aus Wlita, also Amaranthblättern. Und die mussten gründlich gewaschen, verlesen und geputzt werden. Diese Arbeit habe ich großzügig meiner Mutter überlassen… Das kann sie einfach viel besser.

 

Wildkräutersalat gewaschen

In einen viel zu kleinen Topf habe ich dann das Wasser erhitzt, die Wildkräuter ins Wasser gegeben und einen großzügigen Esslöffel grobes Meersalz hinzugefügt. Die Blätter zerfallen fast sofort und der riesige Wildkräuterberg passt dann doch in den kleinen Topf.

Wildkräuter beim Kochen

Nach wenigen Minuten sah das dann so wie auf dem unteren Bild aus. Die Wilkräuter bei schwacher Hitze so lange köcheln, oder viel mehr ziehen lassen, bis die Stiele weich werden. Der Salat sollte allerdings nicht zerkocht werden. Das dauert ca. 6-8 Minuten.

Kochende Wildkräuter für Salat

Den Salat abgießen und abtropfen lassen. Meine Mutter hat den Saft früher aufgefangen und getrunken. Nun wird der noch warme Salat mit Salz, Zitronensaft und Olivenöl angemacht. Wer möchte würzt noch mit Pfeffer. Statt Zitronensaft kann man übrigens auch Essig nehmen. Ich bevorzuge allerdings den Zitronensaft. Dieser Wildkräutersalat macht sich wunderbar auf einer Mezzeplatte, als Vorspeise. Für mich ist er auch solo ein perfektes und komplettes Essen.

Allerdings müssen wir die nächsten Tage wieder ins Bergdorf und jemand muss für mich wieder Wlita sammeln. Die Pita mit Wildkräuter möchte ich nämlich zu gerne noch essen.