Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


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Riesenbohnen mit Spinat

Riesenbohnen aus dem Ofen
Γίγαντες με σπανάκι – Gigantes me spanaki
Gemüse und Hülsenfrüchte sind in Griechenland eine oft gegessene Kombination. Und es gibt unzählige Varianten. Gerade während der Fastenzeit kommen solche vegane Gerichte oft auf den Tisch. Diese Riesenbohnen mit Spinat und Kräutern ist so eine unschlagbare Kombination – und ein schönes Beispiel für typische griechische „Hausmannskost“. Obwohl – was für ein merkwürdiges deutsches Wort. Besser passt in meinen Augen der Begriff „Familiengericht für den Alltag“, das mit viel Brot, eventuell Schafskäse und Salat auf den Tisch kommt. Und nicht selten gießt noch jemand am Tisch rohes Olivenöl über den Teller. Wer vermisst hier schon Fleisch.
Die trockenen Bohnen werden eingeweicht und vorgekocht. Sie garen im Ofen mit dem Sud des Spinats und etwas pürierten frischen Tomaten. Dabei saugen sich die Bohnen voll mit den Aromen und werden butterweich. Wer möchte kann den Spinat auch etwas später dazugeben, damit er nicht ganz so zerkocht. Dann muss etwas mehr Wasser am Anfang zugegeben werden. Ich gebe ihn jedoch gleich am Anfang dazu.

 

Das braucht ihr für ca. 3 Personen
  • 250 g Riesenbohnen
  • 300 g Spinat
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 große Fleischtomate
  • Salz
  • Pfeffer
  • ein halbes Bund Petersilie
  • 1 TL getrockneten Thymian
  • reichlich Olivenöl, ca. 5 EL

Die Bohnen werden über Nacht in reichlich kaltem Wasser eingeweicht. Am nächsten Tag werden die Bohnen mit frischem und ungesalzenem Wasser zum Kochen gebracht. Ich mache das im Schnellkochtopf, das dauert ca. 10 Minuten. Ansonsten müsst ihr die Bohnen mindestens 45 Min kochen bis sie fast gar sind. Lieber prüfen, es kommt auf die Bohnen an.

In der Zwischenzeit wird der Spinat gründlich verlesen und gewaschen. Er muss dann gut abtropfen, am besten mit den Händen das überschüssige Wasser etwas ausdrücken. Die Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden und die rote Zwiebel würfeln. Die Fleischtomate wird rundum eingeritzt und kurz mit heißem Wasser überbrüht. Dann kann die Schale ganz einfach entfernt werden. Die Tomate im Mixer pürieren. Die Petersilie waschen und grob hacken.

Den Ofen auf 170° C vorheizen. Die vorgegarten Bohnen kommen jetzt in eine ofenfeste Form. Das gesamte Gemüse und die Petersilie mit dem Tomatensaft zu den Bohnen geben. Mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und Thymian würzen. Zum Schluss das Olivenöl über die Mischung gießen und alles gut umrühren. Ca. ein halbes Glas Wasser hinzufügen.

Resenbohnen mit Spinat aus dem Ofen - Gigantes me Spanaki

Nun kommen die Riesenbohnen für ca. 1 Stunde in den Ofen. Der Spinat gibt ordentlich Flüssigkeit ab, aber ihr solltet nach ca. 20 Minuten prüfen, ob noch etwas Wasser hinzugefügt werden muss, ggf. noch ein halbes Glas.

Das Gericht ist fertig, wenn die Bohnen butterweich sind und die Flüssigkeit fast komplett aufgesogen ist. Das kann mal mehr und mal weniger als eine Stunde dauern.

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Vanilia Ypowrichio – ein zuckersüßes U-Boot

ein U-Boot aus Vanillezuckerpaste Vanilia tpobrichio

Βανίλια υποβρύχιο, Vanille U-Boot. Viel mehr als nur Zucker…

Drei Anläufe hat es gebraucht, bis ich diese „Vanilia“ endlich hinbekommen habe. Mein erster Versuch ohne Thermometer ging schief. Der zweite Versuch mit Mastix war geschmacklich nicht berauschend. Wahrscheinlich war ich viel zu sparsam mit dem Mastix. Aber jetzt hat es endlich geklappt: Ich habe selbstgemachte Vanilia, bzw. Vanilia upowrichio.

Was ist das überhaupt?

U-Boot (ypowrichio) wird diese zähe und sehr süße Paste genannt. Sie wird auf einem Löffel in ein Glas eiskaltes Wasser getaucht und so serviert. Man schleckt sie langsam vom Löffel, wie bei einem Lolli. Wer möchte, kann das Wasser auch trinken. Das gab es früher (also in den 70er Jahren) immer für uns Kinder, ich habe es geliebt. Ypowrichio besteht aus viel Zucker und verschiedenen Aromen. Besonders typisch ist Vanille oder Mastix, das Baumharz aus Chios, oder auch Rosenwasser. Letztes Jahr im Sommer hat mir unsere wundervolle Hotelbesitzerin zu meinem nachmittäglichem Frappé Vanilia spendiert. Ich habe mich wahnsinnig darüber gefreut, da ich diese Geste in Griechenland mittlerweile ein wenig vermisse. Sie fand das auch und zum Kaffee bekam ich diese einfache Süßigkeit dann die restlichen Urlaubstage an jedem Nachmittag.

Die selbstgemachte Vanilie ist leider nicht so fest wie die gekaufte, zumindest meine nicht. Aber der Geschmack kann es mit der gekauften locker aufnehmen.

Für zwei kleine Gläser

  • 600 g Zucker
  • 200 ml Wasser
  • 1 Vanilleschote
  • Saft einer halben Zitrone
  • emfehlenswert: 1 Lebensmittel-Thermometer

Die Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Den Zucker, mit dem Vanillemark, der Vanilleschote und dem Wasser in einem Topf geben. Zum Kochen bringen und so lange kochen lassen, bis eine Temperatur von 116 ° erreicht sind. Dabei mit einem Pinsel eventuell entstehende Zuckerkristalle von der Topfwand wegwischen.

Wenn die Temperatur von 116 ° erreicht ist den Zitronensaft dazugeben und 1 Minute weiterkochen. Man soll die Konsistenz auch prüfen können, indem man einen Tropfen des Zuckersirups in ein Glas kaltes Wasser gibt, der Tropfen soll eine formbare kleine Kugel bilden. Ich verlasse mich aber lieber auf mein Thermometer, das täuscht meine Sinne nicht.

Die Masse zum Erkalten in ein Gefäß geben, das die Temperatur nicht so gut speichert. Metall ist eher ungeeignet. Nun heißt es warten. Die Masse soll lauwarm abkühlen auf ca. 35 – 37°.

Zuckersirup kalt werden lassen für Vaniilia upobrichio

Sobald die Masse die richtige Temperatur erreicht hat wird gerührt. Ich gebe sie dafür in eine Schüssel und rühre mit dem Holzlöffel immer in eine Richtung. Beides wurde auf fast allen Websites und Blogs, die ich dazu konsultiert habe empfohlen. Das Rühren wird nach einiger Zeit ziemlich mühsam. Ich habe es auch schon mit dem Mixer probiert, aber mit dem Holzlöffel hat man die Konsistenz leichter unter Kontolle. Die Maße wird durch das Rühren weiß und fester, es soll eher eine zähe Creme werden. Das dauert ca. 15 Minuten. Es empfehlen sich weitere menschliche Küchenhelfer, die sich abwechseln…

Vanilia rühren

Sobald die Vanilia weiß und fest ist, könnt ihr sie in Gläser füllen und luftdicht verschließen. Dabei wird sie krümelig, aber nach einer kurzen Zeit im Glas wird die Konsistenz immer besser und vanilia-typisch.

Homemade Vamilia upowrichio

Nun heißt es Löffel und Wasserglas bereitstellen und genießen. Reicht für ganz viele kleine zuckersüße Pausen vom Alltag.

Vanilia Ypowrichio

Und während ich das hier schreibe, habe ich ein Glas mit Vanilia neben mir. Und ich würde sie wahnsinnig gerne mit Corinna von  Meinapulien teilen. Falls ihr ihren Blog noch nicht kennt, dann ab nach Apulien – zumindest virtuell. Corinna lässt uns an ihrem Leben in ihrer neuen Heimat Italien teilhaben und weckt in mir den Wunsch unbedingt als nächstes ihre ganz persönlichen Tipps rund um Apulien anzuschauen. Corinna hat mich nominiert und zwar als einzige für Ihren Liebster-Award. Und da muss ich selbstverständlich die Fragen beantworten. Mille grazie, Corinna!

Griechische und deutsche Wurzeln – welche sind stärker?
Tja, schwierige Frage. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, besitze immer noch meinen griechischen Pass und habe mich noch nicht in Deutschland einbürgern lassen. Ich denke auf Deutsch, mein deutscher Sprachwortschatz ist viel größer als der griechische. Und doch gibt es viele Momente, da kommen mir die griechischen Wörter viel leichter über die Lippen. 
Heimat ist, wenn ich in einer schwäbischen Kleinstadt selbstbewusst „a Prätzel“ bestellen kann, in München selbstverständlich „eine Breeze“ ordere und in Griechenland auf der Fahrt von Thessaloniki in ein kleines Bergdorf hinter einer ganz bestimmten Kurve das Meer sehe und nach weiteren Kurven endlich den Olymp.

Ist Deine Lebenseinstellung eher deutsch oder südländisch?
Ich glaube beides. und das Schöne daran ist, ich muss und will mich gar nicht entscheiden. Und noch viel besser: ich finde das typisch südländische und das typisch deutsche verschwimmt heutzutage sowieso. Typisch für mich, ist sicher eine Haltung, die ich von vielen kenne, die hier mit südländischen Eltern groß geworden sind. Aber das ist ein ganz anderes spannendes Thema…

Lieber griechische Großfamilie oder durchschnittlicher deutscher 2,04-Personen-Haushalt?
Und auch hier muss ich mit einem klaren sowohl als auch antworten :-)
 Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und mit Verwandten und deren Verwandten, die dann auch gleich die Nachbarn mitbringen weil man sich doch über drei Ecken kennt und verwandt ist oder zumindest früher in der gleichen Nachbarschaft… Aber genauso gerne genieße ich meine temporäre 1,75 Personen-Kleinstfamilie in den eigenen vier Wänden.

Wenn Du Dich nicht gerade „rund ums Mittelmeer“ kochst, was isst Du gern?

Fast alles aus Asien, ich liebe Currys, das ist für mich richtiges Soulfood oder indisches Biryani. Mein Gewürzregal ist deshalb auch recht umfangreich. Mit Sushi habe ich mich spät angefreundet. Ich probiere fasst alles, außer Innereien. Ich stehe auf Streefood aller Art, das gemütliche Lokal um die Ecke und wenn ich die Gelegenheit habe dann gehe ich auch gerne ins Sterne-Restaurant. Mit Molekularküche kann ich jedoch nicht ganz so viel anfangen.

Dein ultimatives Lieblingsrezept für alle Lebenslagen ist: … ?
Eindeutig dieses hier: Makkaronia me tiri

Wie lang ist Dein Kochbuchregal und auf welches der Bücher könntest Du nicht verzichten?
Berufsbedingt, ich arbeite in einem Kochbuchverlag, stehen bei mir viele Kochbücher. Ich sortiere sie aber regelmäßig aus. Verteilt in der Wohnung sind es daher ca 4 Regalmeter. Ich bin bald wieder in Berlin und freue mich schon auf eine kleine gut sortierte Buchhandlung mit einer schönen Auswahl an englischsprachigen Kochbüchern. Auf was kann ich nicht verzichten? Vefa’s Kitchen, delicious daysJerusalem, MezzeΤα Χορτα, und noch ein paar andere… Außerdem schiele ich auf das uralte griechische Kochbuch meiner Mutter, das sie Anfang der 70er als frischgebackene Ehefrau geschenkt bekommen hat. (Mama, wenn Du das also liest… 🙂

Wohin reist Du gern, wenn es Dich nicht in den Süden treibt?
Ich reise wahnsinnig gerne in Städte. Etwas größer müssen sie sein, aber ob Ost, West, Nord, Süd, völlig egal.

Was hat Dich zum Bloggen gebracht?
Die Tatsache, das ich es sehr schade finde, wenn Zutaten, Zubereitungsarten und Gerichte „vergessen“ werden. Und ich finde es schade, wenn griechische Küche nur mit Fleischbergen assoziiert wird.

Wie motivierst Du Dich, regelmäßig zu bloggen?
Gar nicht. Das ist wahrscheinlich der griechische Anteil in mir und mein Ausgleich zum ansonsten strukturierten Alltag mit ellenlangen Todo-Listen. Ich plane meine Beiträge kaum. Es kann sein, dass ich mangels Zeit einen Blogbeitrag erst nach zwei Wochen veröffentlichen kann. Dann aber wiederum habe ich morgens nach dem Aufwachen eine Idee und am Abend geht der Beitrag online. 
Es macht mir einfach Spaß und so lange das so bleibt werde ich bloggen, wahrscheinlich immer relativ spontan.

Guter Stil und abwechslungsreiche Wortwahl – schreibst Du noch mehr als Deinen Blog?
Vielen Dank! Ich muss beruflich immer mal wieder Texte schreiben, die einen erklärenden oder werblichen Charakter haben. Oft werde ich aus dem Büro gerufen mit den Worten, „Kommst Du mal schnell, wir brauchen das in „Schön“. Und hin und wieder melden sich Freunde bei mir, die Texte für Websites brauchen. Ich schreibe gerne, kümmere mich aber nicht so gerne um Zeichensetzung und Rechtschreibung…

Deine Chance uns einen ganz besonderen Menschen aus Deinem Leben lobend näher zu bringen. Wer hat es besonders verdient?
Eine schwierige Frage Corinna! Verdient haben es mit Sicherheit ganz viele. Diejenigen, die mich unterstützen, die mit mir lachen, die mir die ungeschönte Wahrheit sagen. Und es gibt auch jemanden, der mir leider nichts mehr sagen kann und das ist mein Vater. Mein Vater war der Gourmet in unserer Familie und hat gerne Rezepte ausprobiert. Unerschrocken hat er sich an simple und komplizierte Gerichte gewagt, uns das Ergebnis vorgesetzt und danach hat er auch meist die Küche saubergemacht. Zufrieden war er dann wenn es perfekt war. Mit mir war er zum Glück nicht ganz so streng. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Vanilia nicht ganz so perfekt gefunden hätte, er hätte noch ein paar Versuche mehr gemacht und die Temperatur akribisch überprüft ebenso wie das Verhalten der Zuckerpaste. Er wäre geduldiger gewesen, so lange bis man sie nicht von einer gekauften hätte unterscheiden können.