Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog

Griechischer Kaffee

14 Kommentare

Griechischer Kaffee

Mit Vorsätzen fürs neue Jahr stresse ich mich seit ein paar Jahren nicht mehr. Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen trotz chronischem Zeitmangel wieder mehr Blogs zu lesen. Ich habe auch ziemlich viel gelesen in den letzten Tagen – vor allem Nachrichten…

Auf der Suche nach gutem Kaffee lande ich in Griechenland oft beim typisch griechischem Kaffee. Ich meine dabei nicht den kalten Frappé sondern den Mokka, der aus winzigen dickwandigen Tassen getrunken wird. Außerhalb Griechenlands heißt er türkischer Kaffee oder Mokka. Seine Ursprünge hat er bei den Beduinen, die ihn im heißen Sand aufkochten. Eine Zubereitungsart, die nichts für die normal ausgestattete Küchen ist, aber durch entsprechendes Equipment (choboli) durchaus möglich ist. Den kalten Frappé trinke ich dann lieber an heißen Sommernachmittagen mit Freunden – aber nie morgens.

Was braucht man für griechischen Kaffee?

Feines griechisches Kaffeepulver

Man braucht griechischen Kaffee (oder türkischen). Dieser Kaffee ist besonders fein gemahlen, wie Mehl und hat eine helle Farbe. Man könnte ihn mit Zimt verwechseln wenn er nicht besonders aromatisch nach Kaffee duften würde. In Griechenland ist der Kaffee in der grünen Verpackung mit einem abgebildeten Papagei sehr beliebt. Meine Mutter kauft ihren Kaffee am liebsten frisch gemahlen in einer kleinen Rösterei aus unserer Heimatstadt. Wenn sie uns besucht bringt sie sich immer ihren gemahlenen Kaffee mit. Sie besitzt auch eine traditionelle Kaffeemühle, die aber nie zum Einsatz kommt

Briki für Griechischer Kaffee

Und man braucht das richtige Kochgeschirr: einen Briki. Das ist ein kleines Töpfchen mit langem Stiel, das sich nach oben hin verjüngt. Meines ist aus Edelstahl, es gibt sie auch aus Email oder traditionell auch aus Kupfer. Es gibt sie in vielen Größen, da die richtige Größe zur Kaffeemenge entscheidend ist. Ein zu großer gewählter Briki macht keinen guten Kaffee. Meiner ist für ein Tässchen eigentlich zu groß.

Kleine Mokkatässchen, am besten gerade mit dickem Rand (habe ich nicht).

Glücklich ist, wer einen Gasherd hat. Egal wie modern eine griechische Küche ausgestattet ist, für die Kaffeezubereitung werden die meisten einen kleinen Gaskocher verwenden. Mit diesem lässt sich die Temperatur besser kontrollieren. Der Kaffee wird auf kleiner Flamme gekocht.

Ach ja, Zucker natürlich. Aber das ist kein Muss.

  • „Sketos“ ist ohne Zucker
  • „Metrios“ (mittel) – mit einem Teelöffel
  • „Glykos“(süß) – 2 Teelöffel Zucker
  • „Bary glykos“ (sehr süß) – hier frage ich meist nach der gewünschten Zuckermenge….

Bis auf den Gaskocher habe ich alles im Haus, aber mein Herd tut es auch.

Wie macht man griechischen Kaffee?

Ziel ist die perfekte Schaumkrone, das kaimaki (ausgesprochen keimaki). Ohne Kaimaki ist es kein gut zubereiteter Kaffee.

Vorbereitung
Zuerst wird die Wassermenge mit der Tasse abgemessen. Idealerweise ist das Briki nicht viel größer als die benötigte Menge. Ich habe leider nur eine Briki-Größe, die für zwei Tassen perfekt ist. Zum Wasser im Briki kommt pro Tasse ein gehäufter Teelöffel Kaffeepulver und Zucker nach Geschmack. Bei mir ist es kein Zucker oder weniger als die Hälfte von einem Teelöffel.

Das heißt, wenn vier Leute Kaffee wollen, zwei den Kaffe „metrios“ bevorzugen, einer auf Zucker verzichtet und der vierte unbedingt fünf Teelöffel im Kaffee braucht, muss man drei Mal Kaffee kochen oder drei Briki auf den Herd stellen. Der Zucker wird nämlich mitgekocht. Deshalb trinke ich griechischen Kaffee statt „sketos“ auch mal gern „metrios“ wie die meisten um mich herum…

Kochen
Den Herd einschalten, den Briki mit dem Kaffee draufstellen. So lange rühren bis sich der Kaffee und der Zucker vollständig aufgelöst haben.

Step 1 - Ordentlich umrühren Griechischer Kaffee

Nun heißt es warten bis sich der Kaffee langsam erwärmt. Es darf dabei nicht zu schnell gehen. Lieber schaltet ihr die Hitze runter. Wenn sich Zucker und Kaffee vollständig aufgelöst haben muss man nicht mehr umrühren – aber ja nicht weglaufen oder den Küchenschrank bewundern oder beim Quatschen mit der Freundin den Kaffee aus den Augen lassen. Wann immer ich dachte, ich habe noch eine halbe Minute ist mir der Kaffee übergekocht und ich musste die Küche putzen.

Den richtigen Moment erwischen

Step 2 Griechischer Kaffee Warten

Der Kaffee wird langsam heiß und die Oberfläche verändert sich. Nun heißt es den richtigen Moment abpassen. Nach ein paar Minuten bilden meist am Rand Schaumwölbungen.. Den Herd drehe ich spätestens jetzt runter.

Step 3 Griechischer Kaffee Wölbungen

Nur wartet man noch wenige Augenblicke bis sich genug Schaum gebildet hat und zieht den Briki vom Herd/Feuer. Wartet man zu lange, dann kocht der Kaffee über.

Nach diesem Bild unten habe ich den Kaffee vom Herd gezogen.

Step 4 Griechischer Kaffee

Das Kaimaki retten
Durch vorsichtiges Eingießen erreicht man die perfekte Schaumkrone auf der Oberfläche. Falls ihr zwei oder mehr Kaffees gekocht habt, dann gießt ihr zunächst in jede Tasse gleichmäßig Schaum und füllt sie anschließend vorsichtig mit Kaffee auf, damit der Schaum nicht zerstört wird. Falls beim Servieren etwas Kaffee auf den Unterteller verschüttet wird, freut sich der betreffende Gast: Für ihn gibt es unverhofften Geldsegen.

Genießen
Jetzt könnt ihr den griechischen Kaffee trinken. Das Kaffeepulver setzt sich am Boden der Tasse ab und wird nicht mitgetrunken. Und natürlich gehört ein Glas kaltes Wasser dazu.

An so einem komischen Tag (Schnee, Hagel und Sonneschein wechseln sich stündlich ab) wie heute ist griechischer Kaffee perfekt. Und wenn mir kalt ist oder ich schlechte Laune habe, dann mache ich es wie die Araber und werfe noch eine Kardamomkapsel oder etwas Zimt mit in den Briki.

Und um die Größenverhältnisse der Tasse zu verdeutlichen habe ich eine normalgroße Orange zur Tasse dekoriert…

Griechischer Kaffee und Orange

Autor: Zitronen und Olivenöl

Greek Foodblogger based in Germany

14 Kommentare zu “Griechischer Kaffee

  1. Na guuuuut… Ich trinke immer ohne Kaimaki. Ist halt Geschmackssache 😉 Ich mag Kaimaki einfach nicht!

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  2. Das weckt gute Erinnerungen an die vielen Griechenlandreisen, die ich als junges Mädchen gemacht habe. Ich mochte den Kaffee sehr (immer serviert mit einen Glas Wasser) und den kalten Frappé auch. Schade, dass ich kein Briki besitze.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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  3. Tolle Beschreibung und wunderschöne Fotos. Wir machen auch gerne den Griechischen Kaffee, wir lieben es gut gekocht.
    Wir haben unser Briki (kann man auch in den meisten türkischen Geschäfte kaufen) und wir benützen auch um Marmelladen in die Gläser abzufüllen!

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  4. Urlaub, Kreta!!!!! Ich liebe diesen Kaffee, lg Marlies

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  5. Na, wer das nach dieser perfekten Anleitung jetzt nicht verstanden hat, verdient keinen griechischen Kaffee! 😉

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  6. Die Anleitung ist perfekt und die Bilder schön – ich sollte es mal wieder so machen. Dabei fällt mir ein, dass Freunde nach ihren mehrmaligen Urlaube in Griechenland behauptet haben, der Kaffee müsste wie von Dir beschrieben zubereitet werden, aber nach dem Aufkochen vom Feuer gezogen werden, leicht abkühlen um dann noch zweimal kurz aufzukochen … Hast Du von dieser Methide schon mal gehört? Mir kam es ja schon immer ein wenig aufwändig vor …
    Lutz

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    • Hallo Lutz,
      die Methode, den Kaffee mehrmals aufzukochen kenne ich auch. In der Türkei und in arabischen Ländern ist das glaube ich sehr verbreitet. Dabei wird auch der Schaum abgeschöpft bevor der Kaffee erneut aufgekocht wird. In der Regel passiert das drei Mal. Warum das gemacht wird, kann ich Dir nicht sagen, bzw. ich hatte dazu nichts konkretes herausgefunden. Ich vermute, dass sich so der Kaffee besser absetzen kann, ob er dadurch bekömmlicher wird, kann ich nicht sagen. Falls es Deine Freunde wissen, interessiert mich die Antwort brennend. Mir wäre die Gefahr des Überkochens und dadurch Kaimaki und Aroma zu verlieren zu groß. Außerdem wäre ich dafür zu faul 🙂 Ich kenne auch niemanden in meinem Umfeld, der den griechischen Kaffee mehrmals aufkocht. Griechenlands bekannteste Kaffeemarke empfiehlt auf ihrer Website den Kaffee beim ersten Aufschäumen vom Herd zu ziehen. 2-3 Mal den Briki leicht gegen der Arbeitsplatte zu klopfen und dann noch ein Mal aufzukochen. Also ausprobieren und entscheiden, was einem besser schmeckt…
      Ich bleibe beim einmaligen Aufkochen 🙂

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      • Danke für Deine ausführlich Antwort. Also wirklich verglichen habe ich es auch noch nicht und meine Frage, ob es denn wirklich genau dreimal sein müsse wurde nur mit einem JA beantwortet. Keine Rede von weiteren Vorkehrungen … also dürfte das vielleicht nicht ‚besonders typisch griechisch‘ sein. Das genügt für’s erste – und wegen der türkischen / arabischen Sitte könnte man dann eher noch mal andernorts nachfragen. Danke jedenfalls! Lutz

        Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Mitgebracht aus Griechenland | Zitronen und Olivenöl

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