Der griechische Bauernsalat und ich. Es ist kompliziert…

Hallo… nach so vielen Monaten. Meine Pause hier hat ganz schön lange gedauert. Und ich kann keine Besserung geloben. Wie geht es euch?

Ich bin immer wieder erstaunt und gerührt, wie viele Nachrichten mich erreichen, obwohl ich schon so lange nichts mehr geschrieben habe. Vielen Dank dafür. Mir geht das Herz auf, wenn ich lese, dass neue Blogbeiträge vermisst werden. Und dann nehme ich mir vor, am Wochenende ein Rezept zu kochen, zu fotografieren, zu verbloggen. Ja und dann… passiert so viel Leben und ich verschiebe es auf das nächste Wochenende und dann wieder aufs nächste…

Jetzt habe ich tatsächlich einen Blogbeitrag für euch, aber leider kein richtiges Rezept.

Ich werde häufiger nach Rezepten gefragt und immer mal wieder wie ich denn einen authentischen griechischen Bauernsalat mache. Und die ehrliche Antwort lautet: Ich? Gar nicht. Oder ganz selten.

Ja, meine Beziehung zum griechischsten aller Salate ist kompliziert. Denn.. ich mag keine Gurken. „Du bist doch Griechin, wieso magst Du keine Gurken?“ höre ich ständig. Tja, schon seit nunmehr fünf Dekaden versucht man mir die Gurke schmackhaft machen. Long story short: in diesem Leben werden die Gurke und ich keine Freunde.

Dennoch lege ich jede Woche mindestens eine Gurke in meinen Einkaufskorb, denn mein Sohn liebt Gurken und er macht sich fast jeden zweiten Tag so etwas wie einen griechischen Salat aus Tomaten, Gurke und Frühlingszwiebeln. In Griechenland sagt man Angourontomata dazu, Gurken-Tomaten-Salat.

Gurken und Tomaten gibt es im Sommer im Überfluss, und Paprika natürlich. Frisch vom eigenen Garten oder vom Markt lässt sich in Minuten eine Horiatiki (Salata) zubereiten, wie der Bauernsalat in Griechenland genannt wird. Und hier liegt das Geheimnis, denn erlaubt ist was schmeckt und der eigene Garten zu bieten hat. Neben Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Paprika landen je nach Region auch Oliven, Portulak, Kapern etc im Salat.

Wie macht man jetzt griechischen Salat?

Ich liste euch die Zutaten für die Horiatiki auf und verrate euch, was ich mache. Bei den Mengen könnt ihr nach Lust und Laune variieren. Denn auch das ist für mich typisch Horiatiki: Etwas hiervon, etwas davon (natürlich frisch), reichlich Olivenöl darüber und dazu Brot.

Tomaten

In der Horiatiki: Sonnengereift, aromatisch, saftig. Keinesfalls überreif (die kommen besser in eine Tomatensauce). In der Horiatiki ist die Tomate der Star, am besten reife Fleischtomaten. Der Saft der Tomaten landet natürlich in der Salatschüssel. Ansonsten wäre es eine Verschwendung und das ergibt schon einen Teil der Salatsauce.

In meinem Salat: Ich gehe immer häufiger dazu über Kirschtomaten, kleine Strauchtomaten, oder Ochsenherztomaten zu verwenden. Hier in Deutschland schmecken sie meist besser. Tomaten dürfen sehr gerne in meine Salatschüssel.

Gurke

In der Horiatiki: Gurken sind neben der Tomate die wichtigste Zutat. Ob ihr die Gurke in feinere Scheiben scheidet oder lediglich grob würfelt ist meiner Meinung Geschmackssache. Ein Horiatiki darf rustikaler sein. Ich bevorzuge natürlich die grobgeschnittene Version wenn ich mal eingeladen bin. Dann kann ich heimlich um die Gurke herumessen.

In meinem Salat: Nie

Paprika

In der Horiatiki: In Griechenland wird man im Sommer am häufigsten auf die grüne Paprika treffen. Wobei auch dort im Supermarkt der Trend zu bunt geht. In der Horiatiki werden am häufigsten grüne Paprika erwendet. Sie schmecken etwas herber als die roten Paprika.

In meinem Salat: Ja… vielleicht. Aber eher zarte Dolma oder Spitzpaprika und dann dünn geschnitten. Meistens lasse ich sie aber weg.

Olivenöl

In der Horiatiki: Natürlich von bester Qualität, kaltgepresst. Ein Olivenöl darf übrigens leicht bitter schmecken. Das zeugt von Qualität und ist ein Indiz dafür, dass die Oliven zum optimalen Zeitpunkt geerntet wurden. Die Olive muss sich ja während dem Sommer hoffentlich gegen Sonne, Insekten und sonstige Widrigkeiten gewehrt haben. Sie bildet dadurch Polyphenole, die nun mal bitter schmecken, aber umso wertvoller für uns sind.

In meinem Salat: Reichlich. Manchmal verwende ich auch Agoourelaio. Das ist Ollivenöl der allerersten Pressung.

Zwiebeln, Frühlingszwiebeln

In der Horiatiki: In Griechenland gibt es mildere Zwiebeln, die nicht so scharf schmecken. Meist werden genau diese für den Salat verwendet. Die Zwiebeln werden übrigens milder, wenn man sie ca. 10 Minuten oder länger in Wasser legt, ausdrückt und dann zum Salat gibt. Eine kleine Zwiebel pro Schüssel darf es schon sein. Fein in Scheiben geschnitten, die dann beim Umrühren zu Streifen zerfallen. Mein Sohn würde zur Frühlingszwiebel greifen.

In meinem Salat: Ich mag keine rohen Zwiebeln. Also nein. Höchstens etwas Frühlingszwiebelgrün.

Oregano

In der Horiatiki: Getrocknet und duftend nach griechischen Bergen. Oregano darf auf keinen Fall fehlen, unbedingt etwas darüber streuen. Allerdings nicht übertreiben, denn sonst könnte der Salat etwas bitter werden.

In meinem Salat: gerne etwas

Essig

In der Horiatiki: Hier scheiden sich die Geister. Ich würde darauf verzichten. Aber etwas Rotweinessig ist durchaus üblich.

In meinem Salat: Nein, ich finde die Tomate bringt genug Säure mit.

Feta

In der Horiatiki: Viele lieben eine Scheibe Feta auf dem Salat. Ich würde den Feta eher in Würfel schneiden und drüberstreuen oder untermischen. Nicht zu kleine Würfel.
Egal wie, Hauptsache ihr verwendet guten Feta. Mein Tipp geht zum griechischen Gemüsehändler und probiert dort den offen verkauften Feta. Ob es hierbei eher ein milder oder ein kräftiger Feta handelt bleibt euch überlassen.

In meinem Salat: Am liebsten neben meinem Salatteller und nicht auf dem Salat. Dann gerne mit etwas Olivenöl beträufelt und mit Oregano bestreut.

Oliven

In der Horiatiki: Kalamata-Oliven sind die bekanntesten und beliebtesten. Aber auch grüne Oliven aus dem Norden Griechenlands oder in salz eingelegte Oliven edeln jede Horiatiki

In meinem Salat: ja, wobei ich die Kalamata-Oliven meistens schon direkt aus dem Glas gegessen habe und die zwei übriggebliebenen auf dem Salat dekoriere.

Salz & Pfeffer

Aber selbstverständlich

 

Und sonst?

  • Was gerade so wächst. In manchen Regionen landet frischer Portulak in den Salat, was ich empfehlen kann.
  • Kapern oder Kapernäpfel sind auf den Inseln beliebt. Mein Tipp: eingelegte Kapernblätter
  • Kritamos, Meerfenchel sorgt für eine frische salzige Note.
  • Ich schneide auch mal gerne kleine rohe Zucchini in den Salat (ja, meine Tanten schütteln den Kopf). Sehen fast aus wie Gurken  schmecken aber viel besser. (Und Avocado, aber das ist dann nicht mehr griechisch)

 

Und dazu?
Brot natürlich.

Das wunderbare an einer Horiatiki ist, dass sie schon eine komplette Mahlzeit darstellt

Mein Lieblingssalat für heiße Sommertage ist übrigens Wassermelone mit Feta

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25 Kommentare

  1. Hallöchen, ich freue mich sehr, wieder was von dir zu lesen. Meine Tochter war grade auf dem Peloponnes, der Mani und hat mir Oregano mitgebracht.
    Ich kann grad nicht so viel reisen, …
    Herzlich
    Hildegard

    1. Oh, wie schön. Duftender Oregano. Darauf freue ich mich auch immer

  2. Klar habe ich dich vermisst! Welcome back, so oft es dir danach ist 🤩🇬🇷🤩

  3. Schön dass du wieder da bist, wenn auch vll nur kurz 😉

  4. Wo lese ich nun vom griechisch kombinierten (komplizierten) Bauernsalat? Außerdem ein fröhliches Hallo, sind die Zitronen schon reif?

    1. Ups, jetzt ist Dir aufgefallen, dass ich mich wortreich um ein Rezept gemogelt habe…

      1. Deine neuen Ausführungen zum Salata habe ich jetzt noch nachgelesen. Am besten haben mir die jungen Kapernzweige in Rohodos zum Bauernsalat geschmeckt. Bei diesen Gerichten gilt: jede Familie macht es etwas anders. Grüsse tom

  5. Hallo von der Nordseeküste. Eines unserer Lieblingsgerichte ist seit Jahren Dein „Champignon Carpaccio“. Wir essen es sehr gerne – aber wir überraschen auch liebe Freunde mit diesem feinen Rezept.
    Und so stöbere ich immer wieder mal auf Deinem Blog und finde neue Anregungen.
    Auf jeden Fall vielen Dank für Deine vielen Rezepte.
    Wenn Du Dich nicht oft meldest, dann ist das doch Deine Entscheidung.
    Ich finde es einfach schön, dass es Deinen Blog gibt!
    Alles Liebe, Margot

    1. Danke, für den netten Kommentar. Champignons-Carpaccio klingt lecker. Wo finde ich das ?

      1. E N T S C H U L D I G U N G … Das Champigong-Carpaccio habe ich Dir zugeordnet, aber es stammt aus einem anderen Blog 🙁
        Von Deinen Rezepten lieben wir besonders den „Griechischen Joghurtkuchen“ und alle Gerichte mit Zucchini 🙂
        Grüße, Margot

      2. Wieso Entschuldigung 🙂 passiert nicht zum ersten Mal. Das Rezept klingt wirklich interessant. Schick mir gerne den Link.

      3. Der Link zum Carpaccio ist gerade über Deine Kontaktseite an Dich unterwegs

  6. Geia sou! Auf Anafi gibt es diesen Salat mit eingelegten Kapernblättern (wie Du als Möglichkeit angegeben hast). Ein Traum. Ich befürchte man kriegt ihn in Deutschland nie so richtig hin wegen der Tomaten. Man muss schon sehr viel Glück haben auf dem Markt und irgendwo köstliche entdecken.

    1. Ich hatte die Kapernblätter geschenkt bekommen. Dieser Salat aus Amalfi klingt interessant

  7. Wie schön zu hören, dass es dich noch gibt! 🙂 Mir geht es genauso. Das Leben passiert schneller als ich schreiben kann. 😉

    1. Ja, in der Tat. Wie geht es Dir? Immer noch in Apulien?

      1. Ja, jetzt seit 10 Jahren und ich denke, ich bin inzwischen hier festgewachsen. 🙂

      2. Bestimmt ein schöner Platz zum Festwachsen 🙂

  8. Es ist einfach nur schön, von Dir zu hören. Erfrischende Ansichten. Gerne mehr — aber es gibt ja auch viele nicht zu übertreffende Rezepte in Deiner Sammlung.

    1. Vielen Dank für diesen netten Kommentar. Freut mich sehr, dass Dir meine Rezepte gefallen.

  9. Wie herrlich wieder von dir zu hoeren! So oft dachte ich an dich und hoffte dass der Blog nicht zu Ende sei.
    Mach dir nichts draus wegen den Gurken.
    Mir versucht man seit bald 5 Dekaden Kaese in allen Arten und Formen schmackhaft zu machen – daraus wird aber nix mehr in diesem Leben. Ich esse den horiatiki salata darum ohne Feta 😉

    1. Danke für diese netten Worte, Margit!

  10. Erlaubt sich ist was schmeckt. Wer keine Gurke mag, sollte vielleicht mit einer Gurkenmelone (habe ich in Italien kennen gelernt und in Berlin bei einigen türkischen Gemüsehändlern wiedergefunden) experimentieren. Ich finde, dass saisonale Sachen eine gute Basis sind (nicht lange suchen, einfach machen) und ich mag mit Kräutern und Knoblauch in Olivenöl gebratene Brotstücke auf dem Salat… Herzliche Grüße aus Berlin

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