Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog

Importiert… Getrocknetes, Gemahlenes, Gekochtes, Unvergessliches

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Mitgebracht aus Griechenland

Vor etwa einem Monat habe ich meinen Koffer wieder ausgepackt und komme erst jetzt dazu euch den kulinarischen Inhalt vorzustellen. Ich stecke mitten in einem spannenden Jahr, stehe kurz vorm Wechsel in einen neuen Job (ich mache was Digitales mit Büchern) und noch ein paar Sachen mehr. Meine Tage hätten in den letzten Monaten ein paar mehr Stunden haben können.

Wenn ich meine Mitbringsel so anschaue, dann kann ich sagen, dass einer Drittkarriere als Kräuterhexe nichts mehr im Weg steht. Hatte ich mich in den vergangenen Jahren noch gebremst – mangels passender Beschwerde – dieses oder jenes interessante Kraut mitzunehmen, so habe ich dieses Jahr hemmungslos zugeschlagen. Ein paar Kräuter mit lustigen Namen, interessantem Geruch oder einfach nur schrägem Aussehen habe ich mitgenommen. Ok, als sich das komisch riechende aber schön klingende „Valeriana“ als Baldrianwurzel entpuppte war ich etwas weniger beeindruckt…

Beim Auspacken war ich erstaunt über den wachsenden Berg an Tütchen und Päckchen. Ich war gerade mal sieben Tage in Griechenland und konnte an nur drei Tagen einkaufen gehen. Aber ein paar Geschenke sind ja auch darunter. Und ich habe etwas über die Herkunft meines Nachnamens gelernt, dazu später mehr.

Es duftet… Kräuter und Gewürze

Kräuter aus Griechenland

Oregano (Rigani) kann ich als Griechin natürlich nie genug haben. Ich habe immer noch Vorräte hier in Deutschland und verschenke ständig welchen. Diesmal habe ich Oregano aus der Pieria-Gegend unweit des Olymp mitgebracht. Der Ort hat den schönen Namen Moschopotamos (Duftender Fluss) und als Kind hörte ich immer, dass Opa Nikos nicht da ist, weil er in eben dieses Dorf musste, um Kastanien oder Walnüsse zu holen.

Ysop (Ysoppos) ist ein altes Heilkraut, das schon in der Antike bekannt war und bei vielerlei Beschwerden eingesetzt wurde, zum Beispiel bei Erkältungen. Ich werde wohl hin und wieder einen Tee daraus kochen aber vor allem Suppen und Saucen damit würzen.

Ysop - Yssopos

Polei-Minze (Fliskouni) Der Geruch erinnert an Minze, etwas schärfer vielleicht. In einem meiner griechischen Kochbücher würzt sie Kartoffelbratlinge. Und auch zu griechischen Hackfleischbällchen passt sie sehr gut. Man kann daraus auch Tee kochen. Allerdings sollte man generell sehr sparsam damit umgehen und sie z..B. in der Schwangerschaft meiden. Sie enthält nämlich einen giftigen Stoff.

Polei-Minze - Fliskouni

Baldrianwurzel (Valeriana) sieht merkwürdig aus, oder?  Riecht auch so. Wenn die nächste schlaflose Nacht kommen sollte, bin ich also ausgestattet 🙂

Baldrianwurzel - Valeria

Sennes-Blätter (Fila Alexandrias) in den letzten Jahren dachte ich immer: „Nein, Du hast nur hin und wieder eine Erkältung und mal Kopfschmerzen aber Darmprobleme hast Du nie, das lässt Du schön liegen. Auch wenn es lustig aussieht…“ Die Blätter habe ich bei meiner Mutter im Schrank gefunden. Bereitwillig wollte sie mir die ganze Packung mitgeben, selbst die Apothekerin schwöre darauf. Ich finde das total faszinierend. Schon im letzten Jahr habe ich euch von den vielen Kräuterläden erzählt. Natur statt Chemie, vor allem da die Heilkräuter günstiger sind als Medikamente aus der Apotheke. Der Tee schmeckt sehr gesund, man kann ihn aber gut trinken.

Fila Alexandrias

Zum Trinken 

Schlepp und griechischer Kaffee

Sahlep (Salepi) Salepverkäufer rollten früher mit ihrem kleinen Verkaufsstand durch die winterlichen Straßen und verkauften das sämige Getränk an Passanten, die sich wärmen wollten. Vereinzelt lebt diese Tradition wieder auf. Salepi wird aus den Wurzeln des Knabenkrauts, einer Orchideenart,  gemacht. Das daraus gewonnene Pulver bindet beim Kochen und ist auch eine Zutat in meinem griechischem Lieblingseis, dem Kaimali-Eis. Ich habe sowohl das reine Salepi-Pulver gekauft, das mit etwas Stärke und Zimt zu einem Getränk aufgekocht wird und auch Instant-Salep. Im Winter trinke ich das ganz gerne, besonders wenn ich Lust auf Süßes habe.

Griechischer Kaffee, den hat mir meine Mutter noch frisch gemahlen in den Koffer gepackt. Wie ich ihn am liebsten zubereite, lest ihr hier.

Aus Kreta

Carob und Gerstenzwieback aus Griechenland

Wenn ich die Wohnung meiner Mutter verlasse und Richtung Stadtzentrum laufe, komme ich an einem kleinen kretischen Laden vorbei mit allerlei Spezialitäten. Schon letztes Jahr habe ich hier eingekauft und habe damals den Gerstenzwieback und das Carobmehl dort gelassen. Mit der Verkäuferin habe ich mich länger unterhalten und eine ganze Liste an Rezepten für den Blog mitbekommen. Kretische Rezepte aus der Region Sfakia, so heißt der Laden. Als wir Kontaktdaten austauschten, stellten wir fest, dass wir den gleichen Nachnamen haben. Das ist im Norden Griechenlands dann doch ungewöhnlich, denn mein Nachname ist kretischen Ursprungs und in unserem Bergdorf hieß nur mein Opa so. Just am Vortag hatte ich mit meinem Cousin über die Herkunft des Namens gesprochen und seine Nachforschungen reichten bis zu einem etwas weiter entfernten Pieria-Dorf. Die Ladenbetreiberin kommt genau aus diesem Dorf und hat weitere Nachforschungen angestellt. Vor ein paar Hundert Jahren hat sich aus dem kretischem Chania ein Vorfahre auf dem Weg in den Norden Griechenlands aufgemacht und hat sich am Pieria-Gebirge niedergelassen. Das fand ich total interessant.

Carob-Schoten (Charupi) Das sind die Früchte des Johannisbrotbaums. Carob bekommt man in Griechenland als ganze Schote, als Mehl und auch als Tee. Es gibt Carob-Kekse und Carob-Nudeln (sehr lecker). Diese gebackenen Schoten kann man einfach als Snack essen. Die Kerne werden dabei nicht mitgegessen. Es ist leicht zäh und erinnert an Kakao. Man kann die Schote auch in Wasser einweichen und essen. Auf Kreta hat man mit dieser sehr nahrhaften Frucht die Hungersnot während der Besatzungszeit durchstanden. Im Norden bekam meine Mutter Charupi beim Kalanta-Singen. Die Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen Lieder um Christus Geburt anzukündigen. Heute gibt es Geld und Süßigkeiten. Meine Mutter hatte Charupi bekommen und es den Schweinen zum Fressen gegeben.

Carobschoten und Carobtee

Carob-Tee, wow was für ein leckeres Zeug. Man kocht ihn zusammen mit Wasser auf und lässt ihn ca. 5 Minuten kochen. Dann entfaltet er seinen süßlichen Geschmack, der an Karamell und Kakao erinnert. Man kann auch eine Zimtstange mitkochen oder einfach etwas Zimtpulver. Das wird auch ein Lieblingstee im Winter.

Gerstenzwieback (Kritharokouloura) Dieser trockene Zwieback wird für einen sehr beliebten kritischen Snack verwendet, dem Dato. Der Zwieback wird mit frisch geriebener Tomate, Olivenöl, und Mizithra (eine Frischkäseart) oder Feta belegt. Als Zwieback verarbeitet, konnten die Kreter ihr Brot länger aufbewahren.

Zum Naschen

Süß eingelegte Feigen

Eingelegte Feigen (Gliko koutalioz Siko) Ich habe mich dieses Jahr richtig satt gegessen an Feigen. Wir hatten immer mindestens zwei Kilo frisch geerntete Feigen im Haus.  Von meiner Patentante habe ich diese selbst gemachten süß eingelegten Feigen bekommen. So verlängert sich für mich die Feigenzeit irgendwie.

Besonderes

Schaf-Ziegen-Butter (Egioprovio Vutiro) Für ein ganz bestimmtes Rezept habe ich letzten Winter Butter von Schafen und Ziegen gesucht. Butter von Schafen ist gar nicht so einfach zu finden, ersetzen wollte ich sie nicht. Also habe ich einen Becher geklärte Schaf-Ziegen-Butter aus Griechenland mitgebracht. Was ich damit machen werde, erfahrt ihr in ein paar Monaten. Ich hoffe, sie hat den Flug überstanden…

Kritharaki aus Zea (Emmer, Diccocum) Mit dem Ladeninhaber hatte ich ein interessantes Gespräch zu Urkörnern und den unterschieden von Emmer in Europa und das Emmer nicht gleich Emmer ist. Ich kann dieses Gespräch nicht mehr wiedergeben. Auch in Griechenland füllen sich die Regale mit Alternativen zu Weizenprodukten. Das uralte Zea erlebt dort gerade ein Revival.

Und hier seht ihr meine liebsten Fotomotive

olymp-suedlich-150816

Wie jedes Jahr: der Olymp. Zwischen zwei seiner Gipfel kann man von meinem Bergdorf die am höchsten gelegene Herberge sehen.

Griechischer Bergtee in Katerina

Verschiedene Bergtees aus der Region rund um Pieria und vorne links: wilder griechischer Bergtee vom Olymp.

Fasolakia Barbuna

Meine Mutter schält Barbunia, so heißen diese grünen Brechbohnen. Sie hat sie in Tomatensauce geschmort, Fasolakia. Eines meiner liebsten Sommergerichte.

Wassermelonenverkäufer

Für eine leckere Wassermelone musste ich nicht mal das Haus verlassen. Ich musste lediglich aufpassen, nicht vom Balkon zu fallen.

Tür

Der uralte unbewohnte Teil des Hauses meiner Oma.

Ano Poli Thessaloniki

Blick auf Thessaloniki von den engen Gässchen der oberen Stadt (Ano Poli) Gerade mal 30 Gehminuten vom Aristotelous Platz entfernt.

Lukumasverkäufer

Ein Strandverkäufer mit Lukumades, frittierten Honigbällchen, hat Feierabend.

Autor: Zitronen und Olivenöl

Greek Foodblogger based in Germany

8 Kommentare zu “Importiert… Getrocknetes, Gemahlenes, Gekochtes, Unvergessliches

  1. Wunderbare Fotos! Da bekommt man richtig Sehnsucht. … und Deine Leidenschaft für Feigen kann ich ja soooo gut nachvollziehen! 🙂

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  2. Wow, was für tolle Sachen! Ich darf ja eigentlich nicht neidisch sein, hattest du mich doch letztes Mal so toll mit wunderbaren getrockneten Kräutern verwöhnt. Von einigen habe ich übrigens immer noch und erfreue mich stets daran! Musste gerade erst gestern an dich denken, als bei uns im Lokalfernsehen eine Food-Doku über Korfu und andere griechische Insel lief – war höchst spannend. Und appetitlich 🙂 Ich jedenfalls heute bei dir auch wieder mal was gelernt. Carob kannte ich noch nicht! Das hört sich toll an und ich werde mich demnächst mal auf die Suche danach machen!

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  3. Herrlich, auch die Fotos … Ich decke mich auch immer gern mit Kräutern, Bergtee, Thymianhonig, leckeren Süßigkeiten (diese Vielzahl an Honig-Feigen-Sesamriegeln, mjam), Knabbereien etc. ein. Und natürlich mit Melomakarona, wenn es sie gibt, die könnte ich eigentlich das ganze Jahr über essen ; )

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  4. Darf ich erraten? mit egioprovio voutiro wirst Du zu Weihnachten Kourabiedes backen, oder? 🙂

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