Bobóta – goldgelbes Arme-Leute-Essen

Bobota - Griechisches Maisbrot μπομποτα

Μπομπότα

Bobóta war das Brot der armen Leute, vor allem während des Weltkrieges und des Bürgerkriegs. Diese Art Pita besteht hauptsächlich aus Maismehl. Weizen gab es nach den Erzählungen meiner Mutter damals kaum, allerdings gab es ein bisschen Mais. Daraus wurde die Bobóta gebacken, das ging schnell und versorgte die Großfamilie. Manchmal wurde der karge Maisbrei noch mit Eiern, Feta, Joghurt, Gemüse oder Wildkräuter aufgewertet. „Aber meist hatten wir  ja nichts“ höre ich oft, wenn solche Geschichten von früher erzählt werden.

Bei uns gab es kaum Bobóta, auch nicht im Urlaub. Als würde man die Gerichte dieser Hungerjahre meiden. Vielleicht gab es auch schlicht kein Maismehl in deutschen Supermärkten der 70er oder er wurde von meinen Eltern nicht als solcher identifiziert. Als ich vor ca. 20 Jahren zusammen mit meinem Vater Verwandte besuchte, habe ich sie das erste Mal probieren dürfen. Zunächst lehnten wir pappsatt von der vorherigen Besuchsrunde jegliches Essen ab. Als die Dame des Hauses anbot, „schnell eine Bobóta zu machen“, war mein Vater Feuer und Flamme. Er hatte schon seit Jahrzehnten keine mehr gegessen. So war er auch ziemlich überrascht über die üppige Bobóta, die ihm vorgesetzt wurde. Die Hausherrin hatte den Maisbrei mit Tomaten, Paprika, Käse und Pepperoni verfeinert.
„So was gab es früher aber nicht“  …  „Ach früher, was hatten wir da schon. Nichts.“

Heute habe ich die Bobóta selbstverständlich verfeinert mit geriebenem Zucchini (Kürbis ist auch toll dazu), Feta und Joghurt. In manchen Rezepten wird das Maismehl mit Weizenmehl vermischt. Würziger Käse oder Spinat passt übrigens auch gut dazu.

Zutaten für eine größere Auflaufform

  • 400 g feine Polenta (Maisgrieß); noch besser ist Maismehl
  • 400 ml heißes Wasser, evtl. etwas mehr
  • 1 EL Backpulver
  • 150 ml Olivenöl
  • 2 Eier
  • 1 größerer Zucchino
  • ca. 250 – 300 g Schafskäse
  • 150 g Joghurt
  • 1 TL getrocknete, griechische Minze
  • Salz
  • Pfeffer
  • Fett für die Form

Den Backofen auf 200 ° vorheizen und eine Auflaufform oder eine Springform fetten.

Die Zucchini waschen und raspeln. Das Wasser kochen. Die Eier leicht verquirlen und den Schafkäse grob zerbröckeln.

In einer Schüssel die Polenta mit dem Backpulver, dem Salz, dem Pfeffer und der Minze vermischen. Das heiße Wasser langsam zugießen und dabei ständig rühren. Das Olivenöl hinzufügen und die Zucchini und den Joghurt unterrühren, danach die Eier unterheben. Wenn die Masse sehr fest ist noch etwas Wasser zufügen. Es sollte eher ein zähflüssiger Brei sein und kein fester Teig. Zum Schluss den zerbröckelten Schafskäse zur Masse geben und gut umrühren. In die Form geben und ab in den Backofen.

Ca. 25-30 Minuten bei 200 ° backen. Wer sie dunkler mag, lässt sie ein paar Minuten länger drin.

21 thoughts on “Bobóta – goldgelbes Arme-Leute-Essen

  1. Gefällt 🙂 Kann mir den Geschmack gut vorstellen! Habe ähnliches schon öfter mal gegessen, aber noch nie selbst zubereitet! Deine Variante hier erzählt jedenfalls eine schöne Geschichte. Und mit Spinat stelle ich mir das ganze wirklich genauso gut vor 🙂

  2. Ja, ich stimme Marco zu. Das hört sich nach einem einfachen, aber leckeren Gericht an. Viele dieser „arme-Leute-Speisen“ (auch hier in Italien) finde ich super, obwohl oder gerade weil sie eher schlicht sind.

  3. In unserer Überflussgesellschaft sind diese „Arme Leute“ Gerichte wieder absolut gefragt und meißt auch sehr sehr schmackhaft, da man schmeckt was man isst.
    Mir als Polentafan gefällt das/die Bobota sehr gut. Werde ich probieren. 🙂

    Ciao Werner

  4. Du schreibst, MaisMEHL ist besser? Wird’s dann nicht eine einzige Pampe?! Ich trau mich das nicht ;o) Ich meine, es ist ja kein Problem Maismehl zu bekommen, gibt es in jeder Drogerie-Bio-Ecke … Vielleicht halb und halb mit dem Gries mischen?

    1. Wenn Du Maismehl nimmst, musst Du wahrscheinlich etwas mehr Wasser hinzufügen, damit es ein zähflüssiger Teig wird (ähnlich wie Rührkuchenteig). ich habe Polenta verwendet und die Wassermenge darauf abgestimmt. 🙂 Ich kenne noch die Kombination Maismehl mit Mehl.

  5. Polenta, ist mir sehr vertraut. Ein traditionelles Bergbauern Gericht in Österreich. Natürlich auch in Südtirol. Hier hat Polenta bis heute die „Pasta“ in den Hintergrund verdrägt. Schö, das „Sie“ noch gibt, bzw. noch immer weit verbreitet ist. (Südamerika).
    Ein extremes Beispiel war Polentasterz mit Zucker und Kaffee. (Fibdet man heute kaum mehr, hat aber gut geschmeckt).

    1. ja, ich mag Polenta auch. Wobei ich tatsächlich selten damit koche. Das beschriebene Polentasterz klingt ja sehr spannend. Auch in Griechenland kennt man süße Varianten von Bobota. Eine interessante Variante habe ich in einem Youtube-Video entdeckt. Da wird das Maismehl mit heißem Öl übergossen und nach dem Erkalten gerieben. Danach kommen erst die anderen Zutaten dazu.

      1. Na, und mich erst! Ich habe das Rezept schon heute Nachmittag als Lesezeichen gesetzt. Da ist auch alles drin, was meine Tochter mag, klasse. 🙂

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