Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


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Kornelkirschen-Likör oder Liker Krano

Kornelkirschen Likör in der Flasche

Λικέρ κράνο – Liker krano

Nach 60 Tagen ist er jetzt fertig der Kornelkirschenlikör. Wer meinen Blog schon länger verfolgt, der weiß, dass ich ihn schon letztes Jahr machen wollte. Meine Oma schwörte bei Bauchweh darauf. Likör mag ich jetzt ehrlich gesagt nicht sooo gerne, aber diesen hier schon. Und ich bin ziemlich glücklich, dass er mir gleich beim ersten Mal gelungen ist. Das hier ist also kein mehrfach erprobtes Rezept, sondern der Bericht, über die Entstehung dieses Likörs. Und ich verrate euch am Schluss, was ich anders machen würde.

Kornelkirschenlikör

Es fing Mitte August mit einem Besuch in Baden-Württemberg an. Ich hoffte auf reife Kornelkirschen bei Bekannten. Und ich hatte Glück. Meine Tante hatte mir welche beiseite gelegt.

Kornelkirschen Ernte

Hängen sie noch so rot am Baum, dann sind sie noch unreif. Sie fallen fast von selbst runter, wenn sie reif sind. Die Ernte selbst habe ich also verpasst. Die reifen Früchte sind tiefrot und weich.

Reife Kornelkirschen Krana

Das habe ich für den Likör verwendet
ergibt fast 900 ml Likör

  • ca. 900 g reife Kornelkirschen
  • 350 g weißer Rohrzucker (oder gleich 600 – 700 g von einer Zuckersorte)
  • 350 g brauner Roh-Rohrucker
  • 300 ml weißer Rum (optional hinsichtlich Menge und Alkoholsorte)
  • 2 große verschließbare Gläser

Zunächst mal müsst ihr die Gläser keimfrei machen. Die Kornelkirschen werden gewaschen und vorsichtig auf Küchenpapier zum Trocknen ausgebreitet. Ganz vorsichtig abtupfen. Dabei musste ich ständig probieren, deshalb sind nicht ganz 900 g Kornelkirschen in die Gläser gewandert.

Kornelkirschen für Likör

In zwei Gläser habe ich die Früchte mit dem Zucker abwechselnd geschichtet. Dabei habe ich für das eine Glas braunen Zucker verwendet und für das andere den weißen. Ich wollte sehen, ob die Zuckerfarbe die Farbe des Likörs beeinflusst. Hat sie aber nicht, nehmt also einfach  den Zucker, den ihr im Haus habt. Ich habe übrigens zunächst 900 g Zucker verwendet, wie ihr auf den Gläsern erkennen könnt, so wird es in fast allen griechischen Likör-Rezepten empfohlen.

Kornelkirschen im Zucker

Das fand ich dann doch sehr viel, deshalb habe ich jeweils 150 g Zucker aus jedem Glas wieder entfernt. Als ich meine Patentante dieses Jahr fragte, meinte sie lakonisch. Sie macht das immer nach Augenmaß. (War ja klar…) Sie verwendet dann mehr Zucker, wenn die Früchte nicht besonders saftig sind.

Dann stellte ich die Gläser Mitte August auf dem Balkontisch und freute mich über die Sonne jeden Tag, die beim Gärprozess hilft. Die Weck-Gläser habe ich jeden Tag geschüttelt, damit sich der Zucker besser auflöst. Nach ca. 10 Tagen war der Zucker komplett aufgelöst und die Früchte gaben nach und nach ihren Saft ab.

Kornelkirschen Likör ansetzen

Ich musste feststellen, dass die Weckgläser nicht dicht waren und immer etwas Sirup rausfloß. Das verunsicherte mich und ich habe Schraubgläser gekauft und alles umgefüllt. Die Schraubgläser waren allerdings etwas klein. Besser ist es, wenn zwischen den Früchten und dem Deckel noch genügend Zwischenraum bleibt. Aber es hat auch so gut funktioniert.

Kornelkisrschenlikör gärt

Eigentlich wollte ich in das eine Glas gar keinen Alkohol hinzufügen. Durch das Umfüllen war ich jedoch etwas verunsichert und habe mich entschlossen den Alkohol gleich dazuzuschütten, um keine Keime entstehen zu lassen und womöglich den ganzen Likör zu verderben. (Völlig unnötig, wie ich jetzt weiß). In Griechenland setzen die meisten den Likör für 40 Tage ohne Zucker an und geben danach – je nach Wunsch – Alkohol hinzu.

Wir hatten mittlerweile Ende August und bis Ende September musste der Likör gären. Dazwischen hatte ich Urlaub und wollte die Gläser nicht einfach auf dem Balkon stehen lassen. Manchmal besucht mich nämlich ein neugieriges Eichhörnchen… Also sind beide Gläser ins Wohnzimmer auf die Fensterbank umgezogen. Auch dort haben sie noch genug Sonne getankt. Und genauso habe ich sie nach meinem Urlaub vorgefunden.

Kornelkirschen mit Rum

Jetzt hätte ich theoretisch noch mehr Alkohol hinzufügen können. Das habe ich jedoch nicht gemacht. Der Likör schmeckt mir auch so sehr gut. Er ist genauso geworden, wie ich ihn haben will. Vor allem die Farbe gefällt mir sehr gut. Da ich die rote Farbe unbedingt konservieren wollte, habe ich mich für Rum entschieden. In Griechenland wird oft Cognac genommen oder auch Tsipouro (eine Art Tresterschnaps). Der Cognac verfälscht jedoch die Farbe.

Den Likör durch ein Sieb gießen und ggf.noch filtern, damit er schön klar ist. Die Früchte entsorgen und den Likör in Flaschen umfüllen.

Likör aus Kornelkirschen

Faustregel für den Likör – das klassische Rezept
Die gleiche Menge Zucker und Kornelkirschen in einem großen verschließbarem Glas schichten und für 40 Tage in der Sonne stehen lassen – oder an einem hellen Ort. Nach 40 Tagen könnt ihr die gleiche Menge Alkohol (also bei einem Kilo Früchte, einen Liter) dazugeben und für weitere 15 Tage ziehen lassen. Die Alkoholmenge ist dabei Geschmackssache. Alternativ können die Früchte auch gleich mit dem Zucker und dem Alkohol angesetzt werden. So macht man es vor allem hier in Deutschland.

Übrigens verfeinern viele den Kornelkirschenlikör mit Zimt und Nelken. Dazu werden die Gewürze gleich mit dem Zucker zu den Früchten gegeben. Ich finde allerdings, dass die Krana schon selbst sehr aromatisch sind, daher verzichte ich gerne darauf.

Was würde ich anders machen

  • Gleich von Beginn an weniger Zucker. Für mich war es vollkommen ausreichend.
  • Richtig große Gläser kaufen.
  • Gar keinen Alkohol verwenden, bzw. nur in einem Glas.

In diesem Sinne… stin igia mas (verkürzt jamas)!


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Gut gegen Bauchweh… sagt Oma

Kornelkirschen Likör

Λικέρ από κράνα – Kornelkirschenlikör

Lange habe ich schon nichts mehr gepostet, ich war viel unterwegs und mit vielen anderen Dingen beschäftigt, die meine ganze Zeit in Anspruch genommen haben. Auch heute habe ich kein Rezept im Angebot – dieser Blogbeitrag ist mein Reminder für den Herbst. Da möchte ich nämlich mit selbst geernteten (schwäbischen) Kornelkirschen Likör machen. Und wenn ich das hier schon mal ankündige, dann bin ich quasi im Zugzwang.

Das heißt, der Likör, den ihr oben seht, ist gar nicht von mir. Den hat die Patentante meines Bruders gemacht und zwar hier in Deutschland. Mitten in einer kleinen schwäbischen Stadt befindet sich ein großer ziemlich wilder und unorthodox angelegter Garten. Hinterm Haus und versteckt. Er erinnert in seiner krummen und schiefen Anlage eher dem griechischen Bergdorf, aus dem wir alle stammen. Nach vorne, zur Straße hin, hat die griechische Familie selbstverständlich einen präsentablen schwäbischen Vorgarten angelegt. Schließlich gehören Landschaftsarchitekten zur Familie. Dort saßen wir auch letztens auf der Terasse, zusammengetrommelt aufgrund eines sehr traurigen Anlasses.

Korenlkirschenlikör entsteht

Ich schaute dabei ständig auf diese fünf Gläser mit angesetztem Kornelkirschenlikör. Den liebe ich. Den liebte ich schon als vierjährige. Meine verstorbene Oma (also nicht die 100jährige) hatte ihn immer gemacht. Der Geschmack ist kräftig, süß und leicht säuerlich zugleich. Als Kleinkind war ich in Griechenland bei dieser Oma und wurde wohl ziemlich verhätschelt. Da ich auch etwas Heimweh hatte, hatte ich eigentlich immer was. Mein Oma erzählte mir deshalb viele Geschichten und wenn ich Bauchweh hatte, gab es einen klitzekleinen Schluck Krano-Likör. Von da an hatte ich eigentlich ständig Bauchweh und bekam immer seltener Likör und häufiger Bauchmassagen. Eine Internet-Suche verriet mir, dass schon Hildegard von Bingen nicht nur die Früchte sondern auch die Baumrinde für Unterleibsbeschwerden eingesetzt hatte.

Kornelkirschenbaum

Im kleinen griechischen Garten gibt es drei Kornelkirschenbäume (oder sind das Sträucher?). Die Früchte sind schon zu sehen. Im Herbst werden sie reif und leuchtend rot sein. Der Likör oben ist leider nicht ganz so leuchtend rot geworden. Das liege an den Früchten, sagte meine Tante. Sie erntet die Früchte und schüttet sie gewaschen in ein Glas. Dann fügt sie ordentlich Zucker hinzu, Nelken und eventuell eine Zimtstange. Die Gläser bleiben dann auf der Terasse in der Sonne, bis sich der Likör bildet. Nur noch selten fügt sie Alkohol hinzu.

Bis ich das Rezept selbst ausprobiert habe, empfehle ich euch übrigens das Dirndl-Rezept von der Giftigenblonden.