Zitronen und Olivenöl

Der Geschmack meiner griechischen Heimat – Ein griechischer Foodblog


4 Kommentare

Kulinarisches Päckchen aus Griechenland – von Monthly Flavors

Monthly Flavors - Mai-Foodbox

Foodboxen gibt es ja so einige. Mein Bruder har mir öfter welche geschenkt. Wir schenken uns nämlich am liebsten etwas, was man verbrauchen kann: also manchmal Kosmetik und meistens Essen! Rund um seinen letzten Geburtstag hatte ich von Monthly Flavors gehört und ihm eine Box aus Griechenland schicken lassen. Bedankt hat er sich mit „lecker, wir haben schon alles aufgegessen“.

Was ist Monthly Flavors? Eine griechische Foodbox mit Produkten von kleinen griechischen Produzenten und Manufakturen, sorgfältig ausgesucht und liebevoll verpackt. Das Startup aus Athen gibt es seit dem letzten Jahr. Die Idee: Produkte von kleinen Produzenten direkt zu den Konsumenten zu bringen. Klar, das ich so etwas gut finde. Gerade kleine Familienbetriebe haben es mit der Vermarktung ihrer Produkte schwer, vor allem außerhalb Griechenlands. Die Macher von Monthly Flavors suchen genau solche Produkte und versenden die Boxen an Interessenten. Der Inhalt der Box wird dabei geheim gehalten. Von Monthly Flavors hatte mir Wassilis vom Blog Eulen aus Athen erzählt. Er berichtet regelmäßig über griechische Startups und hat dafür gesorgt, dass ich vor ein paar Wochen eine Box bekommen habe. Vielen Dank dafür.

Foodbox von Monthly Flavors - Kulinarisches auf Griechenland

So war ich gespannt, als das Päckchen endlich ankam. Das gibt übrigens erstaunlich schnell. Was mir sofort auffällt ist die sorgfältige und einladende Aufmachung. „Discovery starts in a box. hand selected especially for you“.

Montthly Flavors Paket auspacken

So eingeladen musste ich mich fast bremsen, um die Box nicht einfach aufzureißen. Monthly Flavors gibt sich viel Mühe, schon das Auspacken macht viel Spaß. „Flavorful journeys in a single box“ steht auf einer blau bedruckten Karte, auf der die Region der Produkte und deren Beschreibung zu finden ist. Seidenpapier, das bedruckt ist mit Biographien altgriechischer Philosophen raschelt und gibt den Blick auf das Innere frei. Dann geht es ans Auspacken, der in grünen Seidenpapier gehüllten Viktualien.

Karte von Monthly Flavors

Das war in meiner Box:

Carob Honig aus Kreta

Carob Honig von Ancient Lappa im Paket von Monthly FlavorsSchon das erste Produkt ist eine Überraschung: Carob Honig. Carobmehl wollte ich letzten Sommer aus Griechenland mitbringen, es paste nicht mehr in den Koffer. Carob (gr. Charúpi) wird aus den Früchten des Johannisbrotbaums gewonnen, noch vor 60 Jahren wurde es in unserem Bergdorf an Schweine verfüttert. Mittlerweile ist Carob in vielen griechischen Reformhäusern zu finden. In einem kleinen Laden mit kritischen Produkten hab eich ein ganzes Sortiment entdeckt, sogar die ganzen Hülsenfrüchte. „Besser als jeder Cholesterinsenker“ meinte der Inhaber. Carob Honig hatte er jedoch nicht. Eine Rarität heißt es auf der Karte. Der Honig ist klasse, ich esse fast jeden Tag Honig zum Frühstück und freue mich sehr über diese Abwechslung. Der Honig duftet intensiv nach Karamell und auch nach dunkler Schokolade und genau das schmeckt man auch raus. Großartig, müsst ihr probieren.

Apfelchips mit Zimt und Honig aus Attika

Apfel Chips mit Honig und Zimt im Paket von Monthly Flavors„Der Snack, der zu uns passt, weil er das Beste in uns weckt“. So ähnlich steht es auf der Rückseite der Verpackung. Überhaupt ist nicht nur die Box von Monthly Flavors sorgfältig konzipiert und gestaltet. Mich überrascht das wirklich schöne und liebevolle Verpackungsdesign aller Produkte der Box. Die Apfelchips habe ich mir mit meinem Sohn geteilt. Das heißt, er war schneller und hat den Großteil der Tüte gegessen. Sehr lecker waren sie. Keine Konservierungsstoffe und keine Aromen sind auf der Zutatenliste zu finden, sondern lediglich Äpfel, griechischer Honig und Zimt. „Raw, not baked, not fried.“

Gebäck mit Käse aus Thessaloniki

Cheese Breadsticks im Paket von Monthly FlavorsIch gebe zu, die hätte ich mir nicht gekauft. Immer schmeckt so etwas künstlich. Ich gebe aber auch zu, dass diese Packung sofort leer war. Mit einem Glas Wein auf dem Balkon war die kleine Tüte schnell verputzt (hier war ich schneller als mein Sohn). Das Päckchen hätte größer sein können. Überrascht bin ich vom Geschmack, fast wie selbst gemacht: nicht zu salzig und überhaupt nicht künstlich.

 

Sweet Relish Sauce aus Attika

Sweet Relish im Paket von Monthly FlavorsDas ist mal so gar nicht typisch griechisch: ein Relish aus Kohl, roter Paprika, Gurke, Zwiebeln, Senfsamen, Kurkuma, Weinessig, Zucker und Salz. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich keine Gurken mag und sie überall rausschmecke? Dafür ist das Gläschen schon zu einem Drittel leer. Empfohlen wird es zu Bruschetta. Wenn es schnell gehen muss kommt ein Löffelchen davon auf mein Käsebrot und lecker finde ich es auch zu Ofen- oder Pfannengemüse.

 

Geräuchertes Paprikapulver aus Thessaloniki

Geräuchertes Paprikapulver aus Thessaloniki im Paket von Monthly FlavorsAls Nordgriechin kenne ich das natürlich und habe letztes Jahr schon welches aus Griechenland mitgebracht. Nun habe ich erfreulicherweise Nachschub.In Deutschland kennt man hauptsächlich das spanische. Ich verwende es ziemlich großzügig fast überall: in Tomatensaucen, zu Fleisch, hin und wieder in Keftedes. Ein must have.

 

 

 

Croutons mit Kalamata-Olivenpaste und Vollkornroggen aus Kreta

Croutons mit Kalamata Oliven im Paket von Monthly FlavorsBei diesem Produkt ging es mir wie beim Käsegebäck. Hätte ich mir wahrscheinlich nicht gekauft. Und auch hier ist die Zutatenliste erfreulich kurz und enthält nur Zutaten, die man kennt und selbst verwendet. Sogar das verwendete Olivenöl wird mit nativ extra angegeben. Ein Teil landete im Salat und der größere Teil wurde wieder auf dem Balkon mit meinem Sohn geteilt bei Wein (ich) und Apfelsaftschorle (mein Sohn).
Diese Croutons kann ich mir auch sehr gut zu Trachana vorstellen.

Die Box

Insgesamt fand ich die Box sehr gut zusammengestellt. Ich hätte mir vielleicht mehr „pure Zutaten“ gewünscht. Aber da bin ich nun mal eigen. Wirklich angetan war ich von der hohen Qualität aller Produkte und der sorgfältigen Aufmachung. Die Idee der Box kann ich nur unterstützen. Monthly Flavors kauft Produzenten ihre Produkte und stellt sie in den monatlichen Boxen zusammen. Kunden oder Abonnenten entdecken regelmäßig Kulinarisches aus Griechenland.

Für mich als Foodie genau das richtige Geschenk.

Hier gibt es alle Infos zu Monthly Flavors.

<  zurück zu Aufgelesen


21 Kommentare

Mitgebracht aus Griechenland

Plastis, Werga für Pita

Er hat mich wieder – mein deutscher Alltag. Mental bin ich allerdings noch nicht so ganz hier angekommen. Ich hatte ja versprochen, meine Mitbringsel aus Griechenland zu zeigen. Endlich komme ich jetzt dazu.  Es ist wieder viel Tee dabei. Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was der Holzstab da oben ist?

Plastis oder Werga für Pita

Der schmale Holzstab da oben ist zum Ausrollen für dünne Filoteige gedacht. Er wird Werga oder Plastis genannt. Mein Opa hat ihn für meine Oma geschnitzt und sie hat jahrzehntelang Filoteig damit ausgerollt, bevor ihn meine Mutter bekommen hat. Er ist viel dünner und kürzer als die handelsüblichen, die man heute in Griechenland bekommt. Als ich meiner Oma erzählte, dass ich ihren Plasti nun mitnehme, meinte sie in ihrer trockenen Art nur: „Nimm ihn ruhig mit, ich brauche ihn ja nicht mehr“. Meine Oma hat mit Mitte 80 das Pita machen aufgegeben, das ist jetzt fast 20 Jahre her.

Trachanas

Trachanas mit Weizen

Aus Trachanas wird Suppe gekocht. Bei uns wird Trachanas aus zerkleinerten Weizenkörnern und Milch gemacht, manchmal gemischt mit Weizengrieß. Den Trachans links hat meine Patentante gemacht und der rechte ist von einer Tante. Die Körnung hängt vom verwendeten Sieb ab. Mehr zu Trachanas und ein Rezept findet ihr hier.

Süßes – Wassermelonenschale und Feige

Wassermelonenschale gliko koutaliou und Feigenmarmelade

Meine Tante hat mir auch noch süß eingekochte Wassermelonenschale mitgegeben. Gliko koutaliou heißen diese traditionellen Sirup-Süßspeisen, die aus Obst oder auch Gemüse gemacht werden. Für dieses „Gliko“ wird das Weiße der Wassermelonenschalen zunächst in Kalkwasser eingelegt, damit sie später fest bleiben und nicht matschig einkochen. Gründlich gewaschen werden sie dann mit Zucker so lange eingekocht, bis sich die Flüssigkeit zu einem dickflüssigen Sirup verwandelt. Schmeckt wunderbar zu griechischem Joghurt. Bei meiner Tante gab es dazu selbstgemachtes Eis aus eigener Milch. Sie macht fast alles selbst, probieren musste ich auch selbstgemachten Fetakäse (sehr lecker), Aprikosenlikör und selbst eingelegte Oliven. Sie hat vor ein paar Jahren Olivenbäume gepflanzt. Auf der Terrasse trockneten ein paar Feigen. Im Spätsommer gibt es bei uns Feigen in Hülle und Fülle, ich habe sogar selbst welche gepflückt und fast jeden Tag welche geschenkt bekommen. In unserem Bergdorf gibt es an jeder Ecke einen Feigenbaum. Mitgenommen habe ich Feigen in Form von Marmelade, die meine Patentante gemacht hat.

Tee und Kräuter

Olivenblättertee von Notio, Kamille vom Olymp, Zitronenverbene aus Kreta

Ich muss mich fast immer bremsen, um mir nicht den ganzen Koffer voller Kräuter und Tees zu packen. Bei uns in der Nachbarschaft gibt es immer mehr Kräuterläden und Biomärkte. Mitgenommen habe ich:

Kamillentee vom Olymp: Ich bilde mir tatsächlich ein, dass er intensiver duftet und schmeckt. Kein Vergleich zum Beuteltiere.
Olivenblätterte vom Peloponnes: Er enthält keine Tannine und fühlt sich im Mund richtig weich an. Wer grünen Tee mag, sollte ihn unbedingt probieren. Schon seit der Antike ist er als Heilmittel bekannt und wirkt entzündungshemmend. Dieser Tee hier wird in einem kleinen Familienbetrieb produziert. Die Blätter stammen zum Teil von wilden Olivenbäumen und werden schonend luftgetrocknet. Mehr zum Olivenblättertee und dessen Zubereitung in diesem Blogbeitrag.
Zitronenverbene aus Kreta: Ta Sfakia heißt ein Laden mit traditionellen kretischen Produkten in unserer Straße. Immer wenn ich vorbeigehe wird mir ein Raki, Rakomelo (das ist Raki mit Honig und Zimt) oder ein Weinkeks (Krasokoulouro) angeboten. Ich freue mich, dass sich der Laden im zweiten Jahr gut behaupten kann. Schon letztes Jahr habe ich mich hier eingedeckt. Es gibt unzählige Kräuter aus Kreta zu entdecken, Olivenöl und Honig aus eigener Produktion und natürlich kretischer Käse. Aber auch Carobmehl, das in Griechenland ein kleines Revival erlebt. Das musste ich leider dort lassen. Aber dafür landeten Zitronenverbene und Throumbi in meinem Koffer. Die Zitronenverbene wird in Griechenland Louisa genannt und wird als natürliches Beruhigungsmittel angepriesen.

Wilder Thymian vom Pelopennes, Melisse aus Pieria Thrymba aus Kreta

Melisse (Melissochorto) aus Pieria: Die Melisse habe ich bei einem Gemüsehändler gefunden, der sie wiederum von einem Bekannten bezieht. Nachdem der Gemüsehändler sie dermaßen gepriesen hatte, musste sie mit. Außerdem mag ich den Geschmack.
Throumbi aus Kreta: Throumbi ist eine Art Bohnenkraut und wird in der Küche wie Oregano oder Thymian verwendet. Es riecht fantastisch. Und er soll eine belebende Wirkung haben. Passt zu allen Bohnengerichten aber auch zu Fleisch.
Wilder Thymian vom Peloponnes: Auf diesen Thymian habe ich mich schon gefreut. Er wächst auf dem Feld eines kleinen Olivenölproduzenten, der auch den Olivenblättertee herstellt. Wilder Thymian ist sehr intensiv und würzt sehr stark. Ich habe ihn zum Beispiel hier verwendet, in Zitronenkartoffeln, im Briam und zu Fleisch – und ich trinke ihn gerne als Tee, wenn ich ziemlich schlimm erkältet bin. Hier sieht man ihn in voller Blüte.

Olivenöl

Olivenöl Notio

Jede Olivenöl-Flasche von Notio wird nummeriert. Der kleine Familienbetrieb stellt hochwertiges Olivenöl her, streng ökologisch. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Olinenöl Notiogoods

Es lohnt sich wirklich etwas mehr Geld in Olivenöl zu investieren und ein richtig gutes Öl zu kaufen, das intensiv schmeckt und ausgewogen im Geschmack ist. Hier auf Pinterest habe ich Olivenöle von kleinen Produzenten gesammelt, die ich richtig gut finde. Sie stammen aus unterschiedlichen Regionen Griechenlands und werden sorgfältig hergestellt. Mein Kriterium für Olivenöl: es muss mir pur auf Brot gut schmecken und über Feta. Dickflüssig muss es sein mit einer satten Farbe und voller Aroma. Es darf auch ein bisschen an das Bittere von Oliven erinnern. Mittlerweile sehe ich auch im Norden Griechenlands immer häufiger Olivenbäume und kenne ein paar Familien, die ihr eigenes Öl für den Hausgebrauch produzieren.

Dies und Das

Getrocknete Tomaten aus Santorini

Getrocknete Tomaten aus Santorini: Die kleinen Tomaten, die auf vulkanischem Boden wachsen, sind für ihren süßen Geschmack und ihr reiches Aroma bekannt. Ich habe schon fast alle genascht.

Salepi - Sahlep mit Safran aus Griechenland

Salepi oder Sahlep: Die große Packung oben habe ich im Laden gelassen und nur ein paar Tütchen mitgenommen (das rosafarbene auf dem untereren Bild), es ist Salepi mit Safran. Salepi wird aus der Knolle einer Orchideenart gewonnen, dem Knabenkraut. Umgangssprachlich wird es in Grienchenland auch „Sernikobotano“ genannt, was Manneskraut bedeutet. Es soll wohl für männliche Nachkommen sorgen. Salepi wirkt wie ein Verdickungsmittel und ergibt aufgekocht mit Wasser ein aromatisches, sämiges Getränk. Es kann mit Zimt und Ingwer verfeinert werden und wirkt schön wärmend im Wnter und soll bei Erkältungen helfen. Beliebt ist es auch in der Türkei und im arabischen Raum. Leider wird die Orichideenart durch unachtsames Pflücken immer seltener. In manchen Gegenden steht sie unter Naturschutz.

Sahlep und geräuchertes Paprikapulver

Geräuchertes Paprikapulver:  Paprika kapnisti steht handschriftlich auf dem Beutelchen.  Ich habe es in einem kleinen Lädchen gefunden, das viele seiner Produkte offen verkauft.

Griechischer Kaffee Salz aus Messolongi

Griechischer Kaffee: Frischgemahlen landete der griechische Kaffee in meinen Koffer. Normalerweise trinke ich auch in Griechenland meinen Cappuccino. Dieses Jahr jedoch habe ich ausschließlich griechischen Kaffee getrunken und manchmal nachmittags einen kalten Frappé. So bereitet man griechischen Kaffee zu.
Griechisches Meersalz: Das Salz stammt vom Messolongi am Ionischen Meer im Westen Griechenland. Die Region ist für ihren Fischreichtum bekannt und das Salz gilt als besonders rein.

Mich interessiert jetzt: Was davon würdet ihr gerne probieren?